Das Bregtal
Spuren zur Geschichte einer süddeutschen Landschaft im ehemaligen Herrschaftsbereich
der Herzöge von Zähringen und der Grafen von Urach-Freiburg und Fürstenberg.
Von der Bertholdsbaar zur Landgrafschaft Baar und dem Bregtal
Die Bertholdsbaar

Die Bertholdsbaar, als ein aus alemannisch-fränkischer Zeit stammender Verwaltungsbezirk, löste sich zwischen den Jahren 1000 und 1100 in vier neue Grafschaften mit Namen Albuinsbaar, Sulz, Aseheim und Rottweil auf.

Die Albuinsbaar umfasste die Gebiete zwischen Donau, Wutach, Höhengrat Titisee-Roßeck und Bregtal, und schloß somit auch das Quellgebiet der Breg noch ein. Im nördlichen Bereich, vom oberen Kinzigtal (ab Hausach) bis hinab zum Neckar lag die Grafschaft Sulz. In Höhe von St. Georgen auf der Sommerau, zwischen der Gutach, Schiltach und Brigach grenzte die Grafschaft Sulz an die Grafschaft Aseheim. Sie reichte vom Wartenberg bei Geisingen und vom Dreifaltigkeitsberg bei Spaichingen über die Ostbaar und das Brigachtal bis an die Hochwälder Höhe und an den Hirzwald. Zwischen den Grafschaften Sulz und Aseheim lag die Grafschaft Rottweil.

Die Grafenrechte besaßen in der Grafschaft Sulz und Aseheim die Grafen von Sulz, in den beiden anderen Grafschaftsbezirken die Herzöge von Zähringen, in Rottweil nach 1150 eine zähringische Nebenlinie, die Herzöge von Teck. Neben diesen Grafen (Herzögen) sind in den einzelnen Gebieten noch freiherrliche Herrschaften anzutreffen, deren Hausmacht nicht unbeträchtlich war und sie zu einer gewissen politischen Selbständigkeit befähigte.

Bertholdsbaar um das Jahr 1000 - © D. Klepper, St.Georgen
Bertholdsbaar um das Jahr 1000 - © D. Klepper, St.Georgen
Die Landgrafschaft Baar

Die Landgrafschaft Baar entstand im 13. Jh. durch die Zusammenlegung der beiden Grafschaften Albuinsbaar und Aseheim zu einer einzigen Grafschaft.
Die Ansprüche auf die Grafenrechte innerhalb dieser Neugründung verteilten sich auf die Grafen v. Urach-Freiburg und nachfolgend Fürstenberg, als Erben der Herzöge v. Zähringen, und die Grafen v. Sulz, die sich hier vorerst durchsetzen konnten. Innerhalb der Landgrafschaft Baar waren die landgräflichen Rechte somit stark umstritten, so konnte erst nach dem Verzicht der Grafen v. Sulz und dem Aussterben der mit diesen verwandten Freiherren v. Wartenberg (Titularlandgrafen) die Landgrafschaft vordergründig wieder unter einem unangefochtenen Landgrafen vereinigt werden. Offensichtlich wurde aber die bis dato angewandte Teilung der Landgrafschaft in eine West- und Ostbaar (Wartenberg-Sulz) noch eine längere Zeit aufrecht erhalten. Insoweit begegnen uns zeitweilig "zwei" Landgrafen in der Baar.

Nachweis: Regest 1759 HRR, (Rudolf); Fundstelle/Zitat: RI VI 1 n. 1759 (URI), 1283 jan. 18 Heilicprunne - "beurkundet dass zu Ehnheim (südwestl. Strassburg) am 4. dec. letzthin in gegenwart des bischofs von Strassburg und vieler grafen, edeln, dienstmannen und vasallen der rechtsspruch vor ihm ergangen sei omnium astantium applaudente consensu, dass keiner eine grafschaft im römischen reiche ohne seinen willen theilen, verkaufen oder irgendwie mindern dürfe, und ferner dass er die ihm durch resignation des grafen Hermann von Sulz erledigte grafschaft Baar nach belieben einem andern verleihen möge, welches alles er genehmigt, und in folge dessen er die gedachte grafschaft Baar dem grafen Heinrich von Fürstenberg verliehen habe."

Graf Heinrich I. v. Fürstenberg wurde im Jahr 1283 erstmals mit der Landgrafschaft Baar (Westbaar) als persönliches Lehen (!) durch König Rudolf I. v. Habsburg belehnt. Das Landgrafenamt als Erblehen konnte dem Haus Fürstenberg jedoch erstmalig durch den Grafen Egen v. Fürstenberg-Haslach, dem Stifter der Haslacher Nebenlinie, dauerhaft gesichert werden. Dieser bezeichnete sich seit 1307 als Landgraf in der Baar, wie auch die nachfolgenden Grafen dieser Nebenlinie. Interessanterweise kam dieses Amt somit zuerst an die Haslacher Nebenlinie und nicht an die Hauptlinie Baar.

Der 1304 unternommene Versuch des Grafen Heinrich II. v. Fürstenberg-Baar zur Aneignung des sulzischen Landgrafenamtes (Wartenberger Fehde) scheiterte vorerst am Widerstand der Habsburger; erst im Jahr 1318 konnte sich dieser dann auch dauerhaft (!) als Landgraf in der Baar (Ostbaar) bezeichnen. Die Hauptlinie - in Person des Grafen Heinrich II. - war im Jahr 1305 in eine verhängnisvolle kriegerische Auseinandersetzung mit dem Herzog Friedrich v. Österreich und dem deutschen König Albrecht I. verwickelt und dürfte somit wohl kaum einen erfolgreichen Anspruch auf das Landgrafenamt erwirkt haben. Die kriegerische Eskalation von 1305 kann somit als eine nachgelagerte Auseinandersetzung im Rahmen der Wartenberger Fehde gesehen werden und wurde sicherlich auch durch den politischen "Frontwechsel" des Grafen Heinrich II. zum Parteigänger des Hauses Wittelsbach (Herzöge v. Bayern) mit ausgelöst. Der König selbst rückte 1305 mit einem Heer in der Baar ein und belagerte den Grafen Heinrich II. in seiner Stadt und Burg Fürstenberg um den ausufernden Kriegshandlungen Einhalt zu gebieten. Der Graf musste sich zusammen mit seinen Bundesgenossen ergeben und wurde mit harten Sanktionen belegt. Unter anderem wurde die Stadt Bräunlingen an den Herzog Friedrich v. Österreich abgetreten sowie die Lehnsmannschaft des Grafen gegenüber den Habsburgern festgelegt (1311/1315 urkundlich erneuert).

Nachweis: Regest 122 HRR, (Friedrich der Schöne); Fundstelle/Zitat: Regesta Habsburgica 3 n. 122  (URI), 1315 März 24 - "Graf Heinrich von Fürstenberg gelobt Kg. Friedrich und dessen Bruder Leopold eidlich, ihnen und ihren Brüdern mit seinen Leuten, Gütern und Festen und mit zwanzig Helmen im Kampfe gegen Hzg. Ludwig von Baiern, solange der Krieg dauert, beizustehen." D. i. g. ze Strazburg an dem mantag in den Osteren 1315. Or. Wien Staats-A. mit abhangend. Siegel d. Ausstellers. Riezler Fürstenbg. UB. 2, 52. Schwalm MG. Const. 5, 212. Reg.: Lichn.-Birk 3, 355 n. 314. Über Heinrichs Parteistellung und seine Beziehungen zu Leopold vgl. Riezler Gesch. d. H. Fürstenbg. 271, sowie die Urk. v. 1311 Apr. 19 der Abt. II.

Die Wartenberger Erbregelung von 1307, im Kontext der Heiratsverbindung zwischen dem Grafen Heinrich II. und der Erbtochter Verena v. Wartenberg, ist kritisch zu betrachten, da der zweifache Erbgang in weiblicher Erbfolge durchaus anfechtbar war. Dem habsburgischen Königshaus und den Herzögen v. Österreich können hier sicherlich Eigeninteressen unterstellt werden hinsichtlich der zukünftigen Besitzregelung der im Mannesstamm erloschenen Wartenbergischen Herrschaft.

Die Nebenlinie Fürstenberg-Haslach verhielt sich in diesen Konflikten strikt neutral und wurde letztendlich mit dem Anfall des Landgrafentitels (1307) sogar noch belohnt. Interne Unstimmigkeiten innerhalb des Hauses Fürstenberg führten dann nachfolgend zu heftigen kriegerischen Konflikten zwischen der älteren Hauptlinie Fürstenberg-Baar und der jüngeren Nebenlinie Fürstenberg-Haslach (Fürstenbergische Fehde).

Das Haus Fürstenberg führte bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation im Jahr 1806 den Titel eines Landgrafen der Baar.
 
Bild: Fürstenbergische Hauslinien (png, 56 KB)
Bild: Fürstenbergische Stammtafel (png, 320 KB)
Das Bregtal 1286-1386/1417 - ©thz-historia.de
Das Bregtal 1286-1386/1417 - ©thz-historia.de
Das “Fürstenbergische” Bregtal

Wie aus der obigen Karte zu entnehmen ist entwickelt sich das Bregtal durch das Schönenbachtal herab ziehend, über die im Jahr 1244 gegründete Stadt Vöhrenbach und der nach 1358 erbauten Burg Neufürstenberg, nach Wolterdingen, kurz zuvor die zähringisch-urachische Burggründung Zindelstein passierend. In der weiteren Folge vorbei an der Wasserburg Bruggen die Stadt Bräunlingen erreichend, durchfließt die Breg nun die Stadt Hüfingen und findet nach der Vereinigung mit der Brigach bei Donaueschingen als Quellzufluss der Donau ihr Ende.

Weitere Info:
Karte-Mittelalterliche Straßen im südlichen Schwarzwald-©Humpert

Die Herrschaftsverhältnisse innerhalb des Bregtals können wie folgt beschrieben werden: Die Grafen v. Urach-Freiburg und nachfolgend Fürstenberg verfügten mit den Burgen Zindelstein, Neufürstenberg (nach 1358) und der Stadt Vöhrenbach nebst angrenzender Täler über eine Vormachtstellung im mittleren und oberen Bregtal. Im weiteren Umfeld des Tals wurde diese durch die Burgen Kirneck (Ministeriale), Warenburg und Kürnburg sowie der Städte Villingen und Bräunlingen noch verstärkt; die beiden Städte scheren jedoch zu Anfang des 14. Jahrhunderts aus dem fürstenbergischen Machtbereich aus und gingen an die Herzöge von Österreich verloren. Die zeitweise versuchte Rückgewinnung der beiden verlustigen Städte war jedoch vergeblich und im Falle von Bräunlingen nur von kurzer Dauer (Graf Hug v. Fürstenberg-Haslach, vor 1358-1377).
 
Die Herzöge v. Österreich stellten die stärkste Gegenposition für die Fürstenberger innerhalb der Landgrafschaft Baar dar und übten einen ständigen latenten Druck auf diese aus. Das Haus Fürstenberg konnte sich in keinem einzigen Fall gegen die Interessen der österreichischen Herzöge (Haus Habsburg, vormals Babenberg) durchsetzen, obwohl dieses verwandschaftliche Beziehungen zu den Grafen v. Habsburg geltend machen konnte.

Stadt Vöhrenbach vor 1639
Die Fürstenbergische Landesteilung von 1286 hatte für das Bregtal zur Folge, dass die Stadt Vöhrenbach der Hauptlinie Fürstenberg-Baar (?) zufiel, die restlichen Besitzungen im oberen Bregtal jedoch an die Nebenlinie Fürstenberg-Haslach gingen. Eine ungewöhnliche Konstellation, da die Stadt Vöhrenbach nun völlig isoliert innerhalb des fürstenbergisch-haslachischen Gebietes lag (spätestens nach 1337). Interessanterweise kann die Stadt dann 1358 dem Einflussbereich des Grafen Hug von Fürstenberg-Haslach nachweislich zugeordnet werden (Straßburger Lehensgelöbnis). Der vorangegangene Anfall der Burg Zindelstein (1337) und der Burg und Stadt Bräunlingen (vor 1358) vergrößerte nochmals den Herrschaftsbereich der Haslacher Grafen im Bregtal. Erst nach dem Aussterben der Haslacher Nebenlinie im Jahr 1386 und einem mehrjährigen Erbfolgestreit konnte dieser Besitz nachfolgend wieder zu einem Ganzen zusammengeführt werden - wenn auch nur für eine kurze Dauer.
 
Originaleintrag: Fürstenbergisches Urkundenbuch - Lehensgelöbnis von 1358 (jpeg, 104 KB)


Die Fürstenbergische Fehde

Das verwandschaftliche Verhältnis der beiden Fürstenbergischen Linien Haslach und Baar geriet zu Beginn des 14.Jh. in eine kritische Phase, als sich Teile der Grafenfamilie untereinander bekämpften.
Im Verlauf der "Fürstenbergischen Fehde", die sich von 1317 bis 1326 hinzog, bekriegten sich die Grafen Egen, Götz und Johann von Fürstenberg-Haslach mit dem Grafen Heinrich II. von Fürstenberg-Baar, der ursächlich diese Fehde auslöste. Als Bundesgenossen waren die stammverwandten Grafen von Freiburg und die Stadt Villingen, sowie zahlreiche zur Waffenfolge verpflichtete Lehensträger und benachbarte Adelsgeschlechter, an der Fehde beteiligt. Die Stadt Villingen überwarf sich 1325 zudem mit ihren Stadtherren, den Grafen Johann und Götz von Fürstenberg-Haslach, und wurde in Folge von diesen nun ebenfalls bekämpft.

Nachweis: Villinger Regesten - 1317 Oktober 31 - "Graf Egino von Fürstenberg und seine Söhne, die Grafen Johann (1324-1332) und Götz (1324-1341), bekunden, die mit ihnen verbündete Stadt Villingen im Kampf gegen Graf Heinrich II. von Fürstenberg und Friedrich von Hornberg zu schützen. Originalurkunde auf Deutsch, Pergament, Siegel des Grafen Egino von Fürstenberg." Anm.: Weitere Verbündete des Grafen Heinrich II.: Graf Gebhard v. Fürstenberg und Graf Konrad II. v. Freiburg. In der Literatur werden die Vornamen Egino, Egen oder Egon aufgeführt; überwiegend jedoch Egen.

Nachweis: Villinger Regesten - 1318 August 29, Freiburg - Graf Konrad II. von Freiburg (1316-1350) verzichtet darauf, die Stadt Villingen, die sich mit Graf Gebhard von Fürstenberg versöhnt hat, weiter zu schädigen. Originalurkunde auf Deutsch, Pergament, Siegel des Grafen Konrad II. von Freiburg.

Nachweis: Villinger Regesten - 1319 Juni 10, Oberndorf - Herzog Lutzmann von Teck (1313-1336) schließt mit Graf Rudolf II. von Hohenberg (1327-1335) sowie den Städten Oberndorf, Rottweil und Villingen ein Beistandsabkommen ab, das nicht gegen den König u.a. gerichtet ist. Originalurkunde auf Deutsch, Pergament, Siegel des Herzogs Lutzmann von Teck und der Stadt Oberndorf.

Nachweis: Villinger Regesten - 1322 Oktober 11 - Graf Konrad II. von Freiburg versöhnt sich mit der Stadt Villingen. Originalurkunde auf Deutsch, Pergament, beschädigtes Siegel des Grafen Konrad II. von Freiburg.

Nachweis: Villinger Regesten - 1324 Dezember 7, Villingen - Die Grafen Johann und Götz von Fürstenberg versprechen, die Stadt Villingen gegen Übergriffe Graf Heinrichs II. von Fürstenberg u.a. zu schützen. Originalurkunde auf Deutsch, Pergament, Siegel der Grafen Johann und Götz von Fürstenberg.

Nachweis: Villinger Regesten - 1326 April 30, Haslach - Die Grafen Egino, Johann und Götz von Fürstenberg-Haslach und ihre Helfer nehmen 150 Villinger Bürger gefangen. Original, Pergament, Deckblatt eines Rodels von 1605. Anmerkung: Schilderung historisch nicht korrekt; Graf Egino (Egen) bereits 1324 verstorben; der Bericht des Johannes von Winterthur ist in Teilen widerlegt.

Nachweis: Villinger Regesten - 1326 November 30, Ensisheim - Die Grafen Johann und Götz von Fürstenberg verkaufen Herzog Albrecht II. von Österreich und dessen Bruder für 7500 Mark Silber die Stadt Villingen, die Warenburg, die Dörfer Klengen, Beckhofen und Grüningen sowie das Brigachtal. Originalurkunde auf Deutsch, Pergament; Siegel der Grafen Johann und Götz von Fürstenberg, des Grafen Rudolf III. von Hohenberg (1350-1389), des Otto von Ochsenstein und des Herzogs Ludwig V. von Teck (v. 1316-1347/52).

Nachweis: Villinger Regesten - 1326 Dezember 1, Ensisheim - Herzog Albrecht II. von Österreich und die Stadt Villingen auf der einen sowie die Grafen Johann und Götz von Fürstenberg auf der anderen Seite schließen Frieden. Originalurkunde auf Deutsch, Pergament, abgefallene Siegel der Urkunder.

An der Person des Grafen Heinrich II. v. Fürstenberg-Baar scheiden sich die Geister!
Im Grunde hat dieser Graf durch sein politisches Handeln dem Haus Fürstenberg schweren Schaden zugefügt und den Habsburgern (Herzöge v. Österreich) die Möglichkeit eröffnet sich in der Landgrafschaft Baar festzusetzen. Mit dem Anfall der Stadt Bräunlingen besaßen die Habsburger den nun lang ersehnten Stützpunkt in der Baar, und mit dem 1326 erfolgten Erwerb der Stadt Villingen von der Haslacher Linie wurde diese Präsenz dann auch machtvoll ausgebaut. Der später erfolgte Ankauf der Herrschaft Triberg (Hohenbergische Pfandschaft) arrondierte dann dieses österreichisch-habsburgische Herrschaftsgebilde, nun mit Anschluss an den Breisgau (Herrschaft Kastelberg - Waldkirch, Simonswald). Positiv für den Grafen lässt sich vermerken, dass mit dem Anfall der Herrschaft Wartenberg eine jahrzehntelange Rivalität in der Ostbaar friedlich beendet werden konnte.

Grabmal in Neudingen - Graf Heinrich II. u. III. v. Fürstenberg-Baar
Grabmal des Grafen Heinrich II. v. Fürstenberg-Baar
(obere Grabplatte - Graf Heinrich III. v. Fürstenberg-Baar zugeordnet)

Der Erbfolgestreit um das Haslacher Erbe

Nach dem Tod des kinderlosen Grafen Johann von Fürstenberg-Haslach in der Schlacht von Sempach (1386) besetzte die Fürstenbergische Hauptlinie - in Person des Grafen Heinrich IV. von Fürstenberg-Baar - sofort deren Besitzungen und zeigte unmissverständlich ihren Anspruch auf diese Herrschaft an. Das letzte "erbberechtigte" Mitglied der Haslachischen Nebenlinie - Adelheid von Fürstenberg-Haslach und verheiratete Gräfin von Zollern - machte ihrerseits ebenfalls Erbansprüche auf die Eigengüter ihres verstorbenen Bruders Johann geltend. Mit der Unterstützung ihres Mannes, eines Grafen von Zollern (Straßburger Linie), und des verbündeten Markgrafen Bernhard I. von Baden, gelang es diesen sich kleinere Teile aus dem Haslacher Erbe in einem langjährigen Erbstreit zu sichern. In den Regesten der Markgrafen von Baden finden sich hierzu entsprechende Nachweise:

Nachweis: Regesten Mgf. von Baden - 1387 febr. 14 (Pfortzheim), "M[arkgraf] Bernhard, graf Friedrich von Zollern (Zolre) und dessen Gemahlin Adelheid, gräfin von Fürstenberg (-Haslach), vertragen sich über die von graf Hans (Johann[s]) von Fürstenberg hinterlassenen eigengüter und lehen dahin, dass M. Bernhard gegen graf Heinrich von Fürstenberg und dessen söhne dem grafen Friedrich und Adelheid zu den eigengütern, diese aber dem markgrafen zu dem reichslehen der stadt Haslach beholfen sein sollen. Mon. Zoller. 1,277 nr. 404 - FUB 2,340 - Der markgraf nennt graf Friedrich seinem oheim und Adelheid seine muhme: Friedrichs urgrossmutter Kunigunde war eine tochter M. Rudolfs I. Vgl. nr. 536 u. Stälin 3,719.

Nachweis: Regesten Mgf. von Baden - 1387 febr. 15 (Zolre), "graf Friedrich von Zollern und seine gemahlin Adelheid, geborene Gräfin von Fürstenberg (-Haslach), bitten könig Wenzel, nachdem graf Hans (Johann[s]) von Fürstenberg, Adelheids bruder, gestorben ist, M[arkgraf] Bernhard mit dem reichslehen der stadt Haslach zu belehnen, auf das sie ihrerseits verzichten. Mitsiegler: Friedrichs brüder graf Ostertag von Zollern und Friedrich, domherr zu Strassburg. Or. Karlsruhe. - Mon. Zoller. 1,278 nr. 405. - FUB 2,341.

Graf Heinrich IV. v. Fürstenberg stieß in diesem Erbfolgestreit auf vier Gegner, die seiner beabsichtigten Erbfolge Widerstand entgegensetzten: Es waren dies der König selbst, der Bischof v. Straßburg, Markgraf Bernhard v. Baden und Graf Friedrich v. Zollern (Straßburger Linie). Obwohl Graf Heinrich IV. berechtigte Ansprüche anmelden konnte fiel die Stadt Haslach durch Gerichtsentscheid an den Bischof v. Straßburg. Im Verlauf einer gütlichen Einigung belehnte das Bistum dann am 1. Okt. 1389 Graf Heinrich IV. v. Fürstenberg mit der Stadt Haslach. Im Gegenzug musste dieser das bedeutende Dorf Herbolzheim an das Bistum abtreten. Am 10. Sept. 1405 verzichteten dann Gräfin Adelheid v. Zollern (Fürstenberg-Haslach) und ihre Söhne auf das Haslacher Erbe. Als Entschädigung erhielten diese die Dörfer Deißlingen und Dauchingen.

siehe weiterführend => Burg Neufürstenberg

Begleitend zum Haslacher Erbfolgestreit entwickelte sich ein seltsamer Rechtsstreit zwischen dem Grafen Heinrich IV. von Fürstenberg-Baar und dem Markgrafen Rudolf III. von Hachberg mit einem zuweilen unverständlichen Sachverhalt. Der fürstenbergische Graf verfiel 1382 der Reichsacht, wurde mit dem Kirchenbann belegt (exkommuniziert) und über seine Gebiete ein Interdikt ausgesprochen. Die nachfolgenden Regesten der Markgrafen von Hachberg erhellen die Situation kaum, verweisen aber auf die drastischen Auswirkungen für den fürstenbergischen Grafen.

Nachweis: Regesten Mgf. von Hachberg - 1382 märz 18, "graf Heinrich von Fürstenberg wird auf klage M[arkgraf] Rudolfs von dem hofgericht (zu Rottweil?) in die acht erklärt." Reg. FUB 7,434 nr. 302 nach Wiener collectaneen.

Nachweis: Regesten Mgf. von Hachberg - 1388 juni 18 (Rottwil), "graf Rudolf von Sulz, hofrichter an könig Wenzels statt zu Rottweil, erkennt, dass M[arkgraf] Rudolf von Hachberg die güter des ächters graf Heinrich von Fürstenberg, nämlich Fürstenberg, Geisingen (Gys-), Löffingen und Neustadt (Nuwenstadt), auf welche demselben von dem hofgericht anleite ertheilt ist, mit versetzen oder verkaufen angreifen mag." Vidim. bischof Konrads von Basel von 1394. Karlsruhe. - Reg. FUB 2,346 nach Herbster Collect. de march. Hochberga-Roetclanis. Karlsruhe. Hof- und Landesbibl. Cod. 26,70.

Nachweis: Regesten Mgf. von Hachberg - 1394 nov. 15, "die richter des hl. stuhles zu Mainz an dekan, camerarius und alle mitbrüder des dekanates zu Fürstenberg, Neudingen (Nydingin), Hondingen (Hamingin), Villingen (Willingin), Pfohren (Pforin), Hüfingen (-in), Geisingen (Gysingin) und Rottweil (Rotwil). Graf Heinrich von Fürstenberg ist auf die appellation M[arkgraf] Rudolfs von Hachberg zu dem termin am 13. nov. nicht vor ihnen erschienen. Ehe sie ihn jedoch in contumaciam verurtheilen, sollen die adressaten ihn auffordern, sich in bestimmter frist in Mainz zu stellen oder sich mit M[arkgraf] Rudolf gütlich zu vergleichen, und wenn derselbe beides verweigert, mit kirchlichen strafen gegen ihn einschreiten. Zum zeichen der ausführung des auftrags soll der auftrag an die aussteller mit den siegeln eines oder mehrerer des adressaten zurückgeschickt werden (es hiengen drei siegel)." Or. Karlsruhe.

Nachweis: Regesten Mgf. von Hachberg - 1398 aug. 23, "der abt des klosters Himmelpforte (Porte Celi) zeigt im Auftrag der richter des hl. stuhles zu Mainz dem klerus und der ganzen gemeinde zu Villingen an, dass graf Heinrich von Fürstenberg auf klage M[arkgraf] Rudolfs von Hachberg excommuniciert, seine vasallen ihrer eide entbunden und sein gebiet mit dem interdikt belegt worden seien, und untersagt denselben allen verkehr mit Heinrich und dessen unterthanen." Or. Karlsruhe.

Der weitere Fortgang ist nicht gesichert, der Streit wurde aber vom Bischof v. Basel einer Schlichtung zugeführt und der fürstenbergische Graf vom Bann befreit. Im Fall der Burg Neufürstenberg und Löffingens kam es zu herrschaftlichen Veränderungen, die jedoch eher aus dem Haslacher Erbfolgestreit herrühren dürften und im Jahr 1406, nun als Lehen der Markgrafen von Baden, urkundlich Erwähnung fanden (siehe Burg Neufürstenberg).
Straßen und Wege
Die Straße von Villingen, über Alt-Herzogenweiler, das Breg-, Urach- und Wagensteigtal, nach Freiburg.
 
Zur der Verbindungsstraße nach Westen über den Schwarzwald, in den Urkunden als "Freiburger Straße" bezeichnet, liegen ausreichende urkundliche Informationen vor. Von der Straße finden sich etwa drei Kilometer westlich von Villingen im Wieselsbachtal enge Hohlwege von etwa 2m Sohlbreite, westlich des Dorfes Herzogenweilers ist der Abstieg der Trasse ins Bregtal in den Hang eingeschnitten. Immer wieder auftauchend finden sich auf der Wegtrasse durch das Urachtal, zum Turner und über den Spirzen durch das Wagensteigtal bis Buchenbach an den steilen Geländepartien teilweise mehrgleisige Hohlwege. Diese Hohlwegstrukturen wurden bereits früh erkannt, auch liegt zu der Straße ein reiches Material an Schriftquellen vor. Graf Egen von Fürstenberg-Haslach (in der Literatur vielfach auch Egon genannt), erlaubt 1310 den Villinger Bürgern den "neuen Weg" von Villingen nach Freiburg durch das Urachtal oder nach Vöhrenbach gegen Zoll zu benutzen (FUB). Graf Heinrich IV. von Fürstenberg-Baar, der von 1379-1381 die Pfandherrschaft innehatte, vereinbarte 1379 mit der Stadt Villingen die Zollsätze zur Benutzung der "nuwn straze von Villingen durch die Ura und durch den Swartzenwalt fur Wisenegge gen Friburg" neu und gestattete auch die Benutzung der Straße nach Neustadt und Falkenstein und verpachtete ihr diesen Zoll für acht Jahre. Im selben Jahr versprachen sich die Städte Villingen und Freiburg gegenseitige Unterstützung bei der Unterhaltung der Neuen Straße "von Swaben gen Brisgow". 1381 erneuert Graf Johann von Fürstenberg-Haslach, als Burgherr von Neufürstenberg, die Vereinbarung zum Unterhalt und der Benutzung der "Freiburger Straße" mit der Stadt Villingen. Die Existenz der Burg Neufürstenberg wird in der Urkunde von 1381 (FUB) erstmalig erwähnt.
Quelle: Bertram Jenisch - Die Entstehung der Stadt Villingen.
 
Weitere Info:
Karte-Mittelalterliche Straßen im südlichen Schwarzwald- ©Humpert
Alfons Schäfer: Die Höllentalstraße. Ihre Erschließung und ihre Bedeutung für den Handelsverkehr vom Mittelalter bis ins 19. Jh. - Google Books [Leseprobe]
 
Nach einem dankenswerten Hinweis eines St.Georgener Heimatforschers konnte dieser bei einer Überprüfung von GPS-Koordinaten mehrerer historischer Anlagen eine sehr ungewöhnliche geographische Ausrichtung feststellen. Die Motten "Auf der Burg", "Auf der Steig", "Schlösslebühl" und "Runstal" liegen exakt auf einer geographischen Linie. Diese verläuft in einem Winkel von 85 Grad (Nord) bzw. +5 Grad (vom Frühlingspunkt = Osten = 90 Grad) genau auf den Herbstpunkt (Sonnenaufgang bei Tag-Nacht-Gleiche) zu. In weiterer östlicher Verlängerung, allerdings ganz leicht versetzt (ca. 3 Grad), befinden sich dann der Magdalenenberg, die Warenburg und noch weiter entfernt der Türnleberg bei Mühlhausen. Die geographische Ausrichtung der Objekte ist ungewöhnlich und deutet auf eine planerische Anordnung von Verkehrswegen und Stützpunkten verschiedener Zeitstellungen hin.
Codex Manesse - Ritterlicher Tjost
Codex Manesse - Ritterlicher Tjost
Die Entstehung der Amts- und Adelstitel und deren Rangstufen

Die bis in die Neuzeit überkommenen Adelstitel führen ihre Ursprünge bis in das Römische Reich zurück. Eine wesentliche Gliederung erfuhren diese zur Zeit des Byzantinischen Reiches (Oströmisches Reich), welches als Erbe des im 5. Jh. untergegangenen Weströmischen Reiches die römische Ämterstruktur weiterentwickelte. Parallel hierzu übernahmen die fränkischen Merowinger viele spätrömische Verwaltungsstrukturen und Ämter und modifizierten diese ebenfalls im Verlauf des 6. Jhs. Diese Amts- und späteren Adelstitel treten uns nun in den mittelalterlichen Urkunden und Siegelumschriften entgegen und bedürfen nachfolgend einer kleinen Erläuterung.

Titel und Rangstufen (Germanisch-Lateinisch):

Herzöge => dux oder duces
Markgrafen => marchiones (germ.), oder Grenzgraf => comes terminalis
Landgrafen => comes (provincialis, patriae, terrae, magnus,
                                       provinciae
, principalis, lantgravius)
Grafen => comes, comites, (comitis), comitaten
Freiherren => barones (jüngere Definition)
Ritterschaft => eques, equites oder miles, milites, (militis)
Edelknechte => servi nobiles
Ministeriale => servus, servientes

Weitere Info (Hochadel):
1) WEB: Herzog
2) WEB: Markgraf
3) WEB: Landgraf
4) WEB: Graf
Codex Manesse - Ritterlicher Buhurt
Codex Manesse - Ritterlicher Buhurt
Die  Lehns-, Schutz- und Schirmherren

Für die Entstehung von mittelalterlichen Dörfern sind folgende Kräfte notwendig, die einer nachfolgenden Erläuterung bedürfen:

Die Lehnsherren: Sie waren die "Eigentümer" von Grund und Boden. Ihnen gehörte - zumeist schon vor der Besiedelung das Siedlungsgebiet als Eigentum. Sie übertrugen den Bauern, den Lehensbauern oder Lehensträgern das Hofgut auf Lebenszeit. Die Bauern hatten dem Lehensherrn jährlich Abgaben zu entrichten. Beim Tode eines Bauern, bei Kauf, Tausch, Teilung waren ebenfalls Abgaben fällig. Der Vertreter des Lehnsherrn war ein "Meier", ein Bauer aus dem Dorf, der auf den Lehnsherrn vereidigt war. Innerhalb der mittelalterlichen Gesellschaft wurde eine scharfe Trennung zwischen den laboratores (Bauern) zu den bellatores (Kriegern) und oratores (Klerus) aufrecht erhalten, allen drei Parteien wurde aber gesamtheitlich eine grundlegende gesellschaftliche Bedeutung zugestanden.

Die Schutz- und Schirmherren: Sie waren die Landesherren über ein Gebiet; hatten den Bauern an Stelle des Klosters, das ja normalerweise unbewaffnet war, Schutz und Schirm zu bieten. Der "Vogt" hatte im Dorf die Rechte dieser Schirmherren zu vertreten. Die großen Klöster hielten sich jedoch auch Vasallen und Ministeriale in ihren Diensten und verfügten somit über kriegerische Kräfte; so konnte das Kloster Reichenau im Rahmen des "servitium regis" (Königsdienstes) für den ersten Romzug von Otto III. (996) schon "60" schwere Panzerreiter stellen. Für ihre geistlichen Herren waren die späteren Ministerialen (Dienstlehensträger) anfänglich berechenbarer als die adligen Vasallen, die sich vordringlich nur für den Erwerb von Erblehen oder Eigenbesitz interessierten. Überwiegend wurde der Aufstieg der Ministerialen im kirchlichen Dienst sowie durch das Königtum stark gefördert, wenn auch dieses kriegerische und händelssüchtige Klientel sich mancher Orts zu einem Übel entwickelte.

Für die unter dem Schutz und Schirm des Reiches sich befindlichen Klöster bestimmte entweder der König, oder bei freier Vogtwahl das Kloster selbst, die jeweiligen Schutz- und Schirmvögte; bei Eigengründungen fielen dem Stifter die Vogteirechte zu. Eine Besonderheit stellten die "römischen" Klöster dar, die direkt dem Papst unterstanden und in der Regel über das Recht zur freien Vogtwahl verfügten. Einige Klöster konnten sich dieses Recht auch im Rahmen von Erbregelungen und Verträgen sichern. Nach dem Aussterben der Herzöge von Zähringen konnte das "römische" Kloster St.Peter sich über eine längere Zeit den Grafen von Urach-Freiburg widersetzen, die als Erben der Zähringer die Schirmvogteirechte unbedingt erlangen wollten und durch das Recht des Klosters zur freien Vogtwahl nun in eine schwierige Verhandlungsposition geraten waren.

Das Lehnswesen:
Die feudale Ordnung stabilisierte sich im Lehnswesen durch die damit verbundene Berechtigung zur Lehnsfolge, die seit dem frühen Mittelalter zur allgemeinen Erblichkeit der Lehen geführt hatte (Vasallen).
Durften die Lehen anfänglich nur an die Söhne des verstorbenen Vasallen übergehen, wurde nachfolgend dieses Recht auch auf die weiblichen Familienmitglieder und später sogar auf Seitenverwandte ausgedehnt. Es haben sich mittlerweile neue Forschungsansätze herausgebildet, die die bisherige Lehrmeinung zum Lehnswesen in Frage stellen. Es gilt nun, diese aktuelle Entwicklung aufmerksam zu verfolgen.
 
Weitere Info:
Bild: Lehnswesen und Heerschildordnung (png - 37 KB).
WEB: Dendorfer, Jürgen (Hrsg., u.a.): Das Lehnswesen im Hochmittelalter : Forschungskonstrukte – Quellenbefunde – Deutungsrelevanz. Ostfildern 2010 (Mittelalter-Forschungen ; 34) , S. 11 - 39.
WEB: Eva Schlotheuber (Hrsg., u.a.): Denkweisen und Lebenswelten des Mittelalters. München: Herbert Utz, 2004 (Münchner Kontaktstudium Geschichte ; 7), S. 43-64.
Feldprospektion am Krumpenschloß in Hammereisenbach
WEB: Landnutzung im frühen Mittelalter?
Eine archäopedologische Prospektion im mittleren Schwarzwald (2012) - RGZM - Univ. Heidelberg Datenserver - Thomas Knopf, Tilmann Baum, Thomas Scholten, Peter Kühn (Pdf - 470 KB)
©tz, thz-historia.de
oben