Ritterschaft und Rittertum
Erster Teil
Epitaph des Schwanenordensritters Georg Sack (+1483) im Kloster Heilsbronn - Gotischer Plattenpanzer, Höhepunkt der deutschen Plattnerkunst - ©gemeinfrei [wikipedia] Epitaph des Schwanenordensritters Georg Sack (+1483) im Kloster Heilsbronn - Gotischer Plattenpanzer, Höhepunkt der deutschen Plattnerkunst - ©gemeinfrei [wikipedia]
Der Ritter
"Das" Symbol des Mittelalters und gleichzeitig Vertreter eines Ideals, dass als miles christianus (christlicher Krieger) in der europäischen Geschichtsschreibung Einzug gehalten hat. Ein hoher Anspruch, der allerdings im historischen Vergleich zwischen Ideal und Wirklichkeit vielfach nacheilte und mehr Fragen als Antworten aufgeworfen hat. Aus dem generalistischen Blickwinkel heraus betrachtet sind wir von der ritterlichen Lebensart der Minne, Hofkultur und Ehrhaftigkeit sehr angetan, im wirklichen Alltag haben jedoch ganz andere Realitäten die Menschen beeinflusst.
 
Auch der Ritter selbst wurde im Mittelalter vielen Einflüssen ausgesetzt, in seiner Rolle als elitärer Berufskrieger bestimmte ausschließlich der Kampf sein weltliches Dasein. Im frühen und hohen Mittelalter garantierte die standesgemäße Kampfweise auf dem Schlachtfeld noch gewisse Vorteile und Möglichkeiten, die Verrohung der Kriegssitten und der technische Fortschritt gefährdeten aber fortlaufend die Existenz des Ritters. Im Schlachtgeschehen selbst führte die schwere Rüstung auf Grund einer nicht ausreichenden Luftzirkulation und stehender Körperhitze nicht selten auch zum qualvollen Hitzetod (Hitzschlag), der Ritter erstickte unter seinem Helm.
 
Neue Bedrohungslage
Die erste Abbildung einer zeitgenössischen Feuerwaffe findet sich dann in der 1327 vollendeten Handschrift des Walter von Milimete. Dort feuert ein Ritter mit einem glühenden Stab eine Kanone ab, die auf einem primitiven Schießgestell liegend gegen die Festungsanlage einer feindlichen Stadt gerichtet ist. Der permanente Rüstungswettlauf zwischen Schutz- und Angriffswaffen generierte letztlich einen schwerstgepanzerten Reiter, der ausschließlich noch mit seiner Masse und Stoßkraft auf dem Pferd wirken konnte. Am Boden angelangt konnte es dann schnell zu Ende gehen, generell wurden dann Treffer im Bereich von Kopf, Gesicht und an Rüstungsritzen (Mußzeug, Geschübe) angestrebt. Der Begriff "Fallobst" nimmt hier aus der Sichtweise der Schweizer Bauernknechte betrachtet eine unheilvolle Bedeutung an. Wie Fallobst wurden die Ritter mit Hellebarden vom Pferd gezogen und erschlagen. Es benötigte vieler Opfer, um die Sinnlosigkeit des eigenen Handelns zu erkennen, respektive sich selbst einzugestehen.
Ehrhaftigkeit
Auch gab es auf der Seite der ritterlichen Kämpfer (viele) schwarze Schafe, die es mit den beschworenen Werten des Rittertums nicht so genau nahmen (Treue, Maß und Ehre). Eine vielfach zitierte Überlieferung schildert hier ein sicherlich extremes und befremdliches Vorgehen: Graf Balduin VII. von Flandern (1093-1119) sah sich damals genötigt, einen ritterlichen Übeltäter wegen überzogener Plünderung und Verstoß gegen die Ritterehre zur Verantwortung zu ziehen. Er ließ den Ritter in voller Rüstung bei lebendigem Leib in einem Kessel zu Tode kochen. Hier galt der Ehrenkodex noch umfassend und spiegelte die Geisteshaltung der Ritterschaft eindrücklich wieder. "Eine durchaus interessante Personengruppe, die es wert ist, behandelt zu werden...!"
 
Abgründe
Als einer der größten Serienmörder in der Geschichte fand der französische Ritter und Graf Gilles de Montmorency-Laval (1404-1440), Baron de Rais, in den Urkunden einen Nachhall. Dem Kriegshelden des Hundertjährigen Krieges, zugleich Kampfgefährte der Jeanne d'Arc, wurde die Ermordung von 140 Kindern vorgeworfen. In einem aufsehenerregenden Prozess wurde Gilles de Rais schuldig gesprochen, sein Leben endete dann mit einem Strick um den Hals. Eine seltsame Geschichte, die Prozessakten befinden sich noch heute in der Nationalbibliothek in Paris und Nantes und beschreiben grausame Handlungen.
Siegelstempel des Deutschen Ordens aus dem 14. Jahrhundert - Visitatorum Magister in Allemaniae - ©CCL - P. Frank Bayard Siegelstempel des Deutschen Ordens aus dem 14. Jahrhundert - Visitatorum Magister in Allemaniae - ©CCL - P. Frank Bayard
Wer sich mit den dunklen Seiten des Rittertums beschäftigen möchte, sollte auch einen Blick auf die Preußenfahrten des europäischen Adels werfen (seit 1291). Die Kriegszüge des Deutschen Ordens gegen die Prußen und Litauer überliefern einen umfassenden Einblick in das Kriegshandwerk des Ritterstandes. Gegen Sündenerlass oder Sold wurde dort ungehemmt geplündert, gemordet und gebrandschatzt was das Zeug hielt. Zuerst im Namen der Kirche gegen Ungläubige, später um der reinen Macht willen. Selbst ein so hochgelobter Vertreter des Ritterstandes wie Oswald von Wolkenstein (*1377, +1445) ließ es sich nicht nehmen, dort seine Kampferfahrungen und Dienste gewinnbringend an den Mann zu bringen. Als Preußenfahrer konnte sich noch eine Hebung der ständischen und gesellschaftlichen Reputation erzielen lassen, die nach der Christianisierung der Litauer (1387) dann aber doch etwas fragwürdig wurde. Allerdings dürfte der in Aussicht gestellte Ritterschlag durch einen Großgebietiger des Deutschen Ordens noch immer eine hohe Ehre dargestellt haben, für den Niederadel ein durchaus verlockendes Angebot. Eine großzügige Zubilligung von Beutegut, sowie die Erlöse aus dem Verkauf eingebrachter Gefangener, brachte hier so manches ritterliche Ideal ins Wanken...
Ergänzende Themen:
ecclesia militans - Die streitende Kirche
miles christianus
Scholastik - Denkmodell der Wissenschaft, Theorie und Theologie
Bildung
 
Leitbild / Leitfigur
Der heilige Georg
Der heilige Georg - Verehrung seit dem 6. Jhdt. im Merowingerreich, Märtyrer und Schlachtenhelfer der Kreuzfahrer, Identifikationsfigur der Ritter und Krieger als Soldat Christi (miles christianus), Nothelfer und Schutzpatron der Ritterorden und Ritterbünde (Bsp.: St. Jörgenschild). Bild: Kampf Georgs mit dem Drachen, Darstellung in der Kirche Sogn Gieri, Graubünden, 1731. ©GNU-Lizenz 1.2 (Adrian Michael)
Der heilige Georg - Verehrung seit dem 6. Jhdt. im Merowingerreich, Märtyrer und Schlachtenhelfer der Kreuzfahrer, Identifikationsfigur der Ritter und Krieger als Soldat Christi (miles christianus), Nothelfer und Schutzpatron der Ritterorden und Ritterbünde (Bsp.: St. Jörgenschild, Schwäbischer Bund). Sein Symbol in der Heraldik ist das Georgskreuz. Das rote Kreuz auf weißem Grund ist in vielen Wappen und Flaggen enthalten. In den orthodoxen Kirchen wird er als Groß- bzw. Erzmärtyrer verehrt. Bild: Kampf Georgs mit dem Drachen, Darstellung in der Kirche Sogn Gieri, Graubünden, das Georgskreuz wurde von dem unbekannten Künstler invertiert ausgeführt (1731). ©GNU-Lizenz 1.2 (Adrian Michael)
Schwertleite oder Ritterschlag
Der Ritterschlag - Edmund Blair Leighton - ©gemeinfrei
Der Ritterschlag - Edmund Blair Leighton - ©gemeinfrei
Der Ritterschlag ist ein feierlicher Initiationsritus, mit dem ein Mann von einem Herrscher oder einem anderen Adligen in den Ritterstand erhoben wurde. Um dieses Ziel zu erreichen musste eine umfassende Ausbildung absolviert werden, der ritterbürtige Aspirant (Knappe) mit gebotener Strenge zum elitären Berufskrieger herangezogen. Körperliche Härte und Ausdauer im sportlich-kämpferischen Spiel wurde bereits in jungen Jahren trainiert, anschließend erfolgte die Einführung in das Kriegshandwerk. Beginnend mit schweren hölzernen Schwertern und Schilden erfolgte nach einiger Zeit der Wechsel auf leichtere reguläre Waffen, der Knappe an die schwere Rüstung herangeführt und deren Eigenheiten vermittelt. In der Regel unterwies hier ein Waffenmeister, oder erfahrener Ritter, den Knappen im Schwert-, Speer- und Reiterkampf. Erste Kriegserfahrungen wurden dann innerhalb der ritterlichen Gleve (Gefolge, auch Helm oder Lanze genannt) gesammelt.

Der Ritterschlag löste ab dem 14. Jahrhundert in Mitteleuropa die Schwertleite als die gängige Form der Ritterpromotion ab. Schwertleite und Ritterschlag sind also zwei unterschiedliche Initiationsriten, besonders in populärwissenschaftlichen Werken werden beide Formen oft fälschlicherweise gleichgesetzt [Wikipedia].
 
Im ausgehenden Mittelalter war die "Ritterbürtigkeit", also die Abstammung von adeligen, ritterlichen Vorfahren, meist Voraussetzung für die Aufnahme in den Ritterstand. Im Verlauf von kriegerischen Ereignissen kam es aber auch zu Massenerhebungen, in der Regel noch auf dem Schlachtfeld. Im moralischen Sinne ein Tapferkeitsaufstieg, der aber finanziell nicht erhalten werden konnte. Zur Promotion zum Ritter war ein entsprechender finanzieller Hintergrund in Form eines Lehens "noch" notwendig, die Lehnsfolge basierte auf der Stellung eines voll ausgerüsteten Panzerreiters "mit" Gefolge (Gleve, auch Helm oder Lanze). In der Regel umfasste diese kleinste Einheit dann noch drei bis vier zusätzliche Kämpfer, nicht selten noch mehr. Viele ritterbürtige Adelige mussten aus finanziellen Erwägungen somit auf den Ritterschlag verzichten, diese verharrten dann im Status der Edelknechte. Als das Lehen im Spätmittelalter für die Aufstellung des Heeres keine Rolle mehr spielte, zählte nur noch der reine tatsächliche Besitz. Die weltlichen und geistlichen Fürsten mussten nun die Gleven bereitstellen.

Das Kriegsaufgebot des Heiligen Römischen Reiches kann für das Spätmittelalter mit 8.200 Gleven beziffert werden (König Sigismund). 1431 wurde diese Zahl auf dem Reichstag beschlossen, jeder 20. bzw. 25. Mann wurde zum Kriegsdienst verpflichtet, bzw. in dieses Reichskontingent eingestellt. Etwa fünf Jahre zuvor (1426, Hussitenkriege), hielt man noch 6.000 Gleven für nicht mobilisierbar, die Vasallen boten damals 3.000 bis 4.000 Gleven an, die Städte zusätzlich noch unsichere 1.000 Gleven. Das Gleven-System wurde dann 1467 abgeschafft - Quelle: [Würdinger]. [Fazit]
 
Weitere Info:
Adobe Würdinger, J.; Kriegsgeschichte und Kriegswesen (1868).Google Books - (Pdf - 36 MB!)
WEB: Historische Karten von Europa - Euratlas
Ritterliches Erscheinungsbild
Fürstenbergischer Ritter 13. Jhdt. ©F.F.Archiv Donaueschingen. Die Lanze bildete die Hauptwaffe des Ritters, nicht das Schwert! Fürstenbergischer Ritter 13. Jhdt. ©F.F.Archiv Donaueschingen. Die Lanze bildete die Hauptwaffe des Ritters, nicht das Schwert!
Die nebenstehende Darstellung ist dem Reitersiegel des Grafen Heinrich I. v. Fürstenberg idealisiert nachempfunden und spiegelt den zeitgenössischen Typus des Ritters sehr gut wieder. [Reitersiegel]
 
Der Graf tritt uns als schwer gepanzerter Bannerherr (Panierherr) entgegen. Als solcher trägt er den Haubert - das doppelte Panzerhemd, welches ihn von Kopf bis Fuß in Gänze umschließt. Entsprechend seinem Rang als Bannerherr dürfte er an der Lanze auch das lange rechteckige Banner (Panier, Gonfanon) geführt haben. Der Topfhelm und das Schwert entsprechen dem Zeitgeist des 13. Jhdts.
 
Die farbenfrohe heraldische Gestaltung des Waffenrockes und der Pferdedecke spiegelt den Fürstenbergischen Schild sehr gut wieder und garantiert einen hohen Wiedererkennungswert im Gemenge. Eine Panzerung des Pferdes ist nicht erkennbar, wird aber zusehends eingesetzt worden sein (Pfeilbeschuss). Als weiteres heraldisches Abzeichen ist die Pelzkugel auf dem Helmwulst erkennbar. Diese Helmzier wurde einzig von der älteren Linie des Hauses Fürstenberg getragen.
  
Die jüngere Linie Fürstenberg-Haslach führte hier zur Unterscheidung zwei nach innen gewendete Hifthörner. Diese entstammten wiederum der Helmzier der Grafen v. Urach, den Vorfahren der Fürstenberger.
Ritter und Bannerherr (Panierherr)
Im Unterschied zum Bannerherr trug der einfache Ritter nur "ein" Panzerhemd und führte an seiner Lanze einen langen "dreieckigen" Wimpel (Pennon). Stieg dieser allerdings in diesen Rang auf, wurde der dreieckige Wimpel einfach abgeschnitten, eine rechteckige Form hergestellt (faire de pennon bannière - frz. "im Rang steigen"). Beispiel eines Banners (Panier, Gonfanon): Siegel - Berthold V., Herzog v. Zähringen
 
In der Oeconomischen Encyclopädie, Bd. 64, 1794, 2. Auflage 1803, S. 703 führt Johann Georg Krünitz die Definition des Banner-/Panierherren wie folgt auf: "...Dieses Fähnlein, Fr. Pennon, Lat. Pendo, führten die Ritter so lange, als sie noch keine gewisse Anzahl Lehnleute unter sich hatten, oder andere Ritter besolden konnten. An der Seite des Ritters und unter seinem Fähnlein fochten seine Knechte, Knapen, Wapenen etc. wenn er dergleichen unterhalten konnte. Konnte er dieses nicht, so war es seiner Würde nicht nachtheilig, der Lehn-Mann eines Reichern oder mächtigern zu werden, Sold von demselben anzunehmen, und unter dessen Panier Kriegs-Dienste zu thun. Verstatteten aber seine Umstände, für sich selbst ein ansehnliches Gefolge von Rittern, Lehnleuten und Knechten zu unterhalten, so bat er den Kriegs-Herrn, oder dessen Feld-Hauptmann, sein Fähnlein in ein Panier zu verwandeln. Man trennte die Spitze von dem Fähnlein, und dieser geringe Schnitt schuf aus dem Ritter einen Panier- oder Panner-Herrn, Bannerius, Vexillarius, Vexillifer. Dieser Vorzug war ehedem so lange erblich bey der Familie des Panner-Herrn, als ihre Glücks-Umstände unverändert blieben, d. h. so lange sie die erforderliche Anzahl Ritter und Knechte, in Frankreich wenigstens 25, in Deutschland aber gemeiniglich „zehen Helme oder Spieße wohlerzeugter Leute”, gegen den Feind stellen und unterhalten konnte. Daher das französische Sprichwort; cent ans bannière, cent ans civière. Doch gab es auch Panner-Herrschaften oder Länder, welche das Recht oder die Pflicht das Panier zu führen, beständig hatten, und wo also dasselbe jedem Inhaber derselben zukam."
Quelle: Volltextsuche - Panierherr - Oeconomische Encyclopädie online - Universität Trier
Ritterlicher Kriegsdienst
Das Lehnsaufgebot und die Lehnspflicht
Augustalis - Friedrich II. - ©gemeinfrei [Wikipedia] Augustalis - Friedrich II. - ©gemeinfrei [Wikipedia]
Kosten im Kriegsdienst
In den Kämpfen zwischen Kaiser Friedrich II. und dem Lombardischen Bund (1236-1250) wurde auch ein starkes Kontingent aus dem Deutschen Reich in Reichsitalien eingesetzt. Dieses umfasste die Reichsministerialität, staufische Lehnsmänner, sowie die Aufgebote der deutschen Reichsstädte.
Im Verbund mit dem sizilianischen Lehnsheer und den kaisertreuen Städten in Reichsitalien musste hier nun ein riesiger Truppenkörper finanziert und versorgt werden. Glücklicherweise können für diesen Schauplatz nun doch grobe Schätzungen gebildet werden, die nachfolgend einen Einblick in die Finanzsituation der Ritter erlauben.
 Codex Manesse, UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848, fol. 184v, Herr Hartmann von Aue (fiktives Autorenporträt), Epiker der sogenannten mittelhochdeutschen Klassik um 1200 († vermutlich zwischen 1210 und 1220) - ©gemeinfrei Codex Manesse, UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848, fol. 184v, Herr Hartmann von Aue (fiktives Autorenporträt), Epiker der sogenannten mittelhochdeutschen Klassik um 1200 († vermutlich zwischen 1210 und 1220) - ©gemeinfrei
Um den Kriegsdienst als Ritter finanziell erfüllen zu können musste ein Lehen mit einem Jahresertrag von mindestens zwanzig Unzen Goldes zur Verfügung stehen (Kronlehen). Zusätzlich musste der Ritter auf eigene Kosten noch vier Pferde, einen Schildknappen, und zwei Kriegsknechte vorhalten, dieses kleine Aufgebot ist uns als "Gleve" oder "Lanze" bekannt.
Die Ausgaben für die Ausrüstung eines Ritters zu dieser Zeit können mit ca. 23 Unzen Goldes veranschlagt werden, zuzüglich der Ausrüstung für das Gefolge (Gleve). Im Kriegsdienst musste der Ritter nun über einen Zeitraum von vierzig Tagen, oder bis zu zwei Monaten, alle Kosten tragen. Danach übernahm die Feldzugskasse diese Aufwendungen. Trat nun der ungünstige Fall ein, dass ein Ritter in kurzen Zeiträumen mehrfach zum Kriegsdienst aufgerufen wurde, entstanden hier nun Kosten, die durchaus zu einer Verarmung führen konnten. Für viele einfache Lehnsritter bedeutete dies auch den Ruin. Zur Abhilfe sollten hier nun acht Lehnsmänner einen Ritter mit Gefolge stellen, nach 1239 bereits nur noch drei oder vier (Sizilianisches Lehnsheer). Der Stand der Soldritter, die über kein Lehen verfügten aber ritterbürtig geboren waren (z.B. Vasallensöhne), eröffnete nun einen Ausweg. In der Regel wurden diese für zwei Monate mit zehn Goldunzen ab dem ersten Tag Kriegsdienst besoldet, freie Kriegsknechte erhielten zwei Goldunzen pro Monat. 1 Goldaugustale = 1/4 Goldunze = 5,2-5,3 Gramm. Der angegebene Geldwert in Goldunzen repräsentiert einen Buchwert, der ersatzweise in unterschiedlichsten Formen zur Auszahlung kam (Gold, Silber, Beutegegenstände, etc.).
Der Edelknecht
(servi nobiles)
Der adlige Edelknecht (servi nobiles) trug eine vergleichbare Ausrüstung wie der vollwertige Ritter, jedoch sollte das Schwert abweichend am Sattel geführt werden. Trotz seiner Abstammung als ritterbürtiger Adliger wurde ihm anfänglich die Trageweise des ritterlich gegürteten Schwertes nicht zugestanden (Schwertgurt), da er die Promotion zum Ritter aus finanziellen Gründen nicht erreichen konnte. Er stellte somit kein Gefolge (Gleve) zum Lehnsaufgebot. Bei gezogenem Schwert waren diese aber dann von den Rittern fast nicht mehr zu unterscheiden, nur die silbernen Sporen ließen diesen noch als Edelknecht erkennbar erscheinen. Dem Adelsstand entstammend besaß er wie der Ritter das Recht zum Führen eines persönlichen Wappenschildes.

Weitere Info:
Wikipedia - Edelknecht
Die Ministerialen
Ritterlich lebende Dienstleute mit eigener oder übertragener Herrschaft sowie politischem Einfluss.
Diepold v. Schweinspeunt, späterer Graf v. Acerra und Herzog v. Spoleto (+ nach 1221) - Liber ad honorem Augusti des Petrus de Ebulo, 1196 - ©gemeinfrei Diepold v. Schweinspeunt, späterer Graf v. Acerra und Herzog v. Spoleto (+ nach 1221) - Liber ad honorem Augusti des Petrus de Ebulo, 1196 - ©gemeinfrei
Die als Ministeriale bezeichneten Personen entstammten ursprünglich aus einer Gruppe von "Unfreien", die sich durch besondere Qualifikationen und Dienste in der Verwaltung, im Krieg, oder am Hof ihres adligen Herrn heraushoben und im 11. Jh. ihre Unfreiheit abwerfen konnten.
Auf Grund ihrer großen Anzahl können die Ritterheere des Hochmittelalters durchaus als Ministerialenheere bezeichnet werden.

Der Aufstieg in den Adelsstand (Niederadel, Ritterschaft) erfolgte hierbei erstaunlicherweise nicht über die Person, sondern stets über das ausgeübte Amt. Ungeachtet des Umstandes, dass die Ministerialen in der mittelalterlichen Gesellschaft den Edelfreien sowie dem Hochadel (Grafen, Fürsten, Bischöfe) unter- bzw. nachgeordnet waren, gelten diese im Hochmittelalter als eigentliche Schöpfer und Träger der ritterlich-höfischen Kultur. Als Reichsministeriale im königlichen Dienst genoss diese Personengruppe besonderes Ansehen und erreichte auch herausgehobene Spitzenämter. Der Hochadel und die Edelfreien verfolgten den gesellschaftlichen Aufstieg der Ministerialen sehr misstrauisch und empfanden das nun neu entstehende ministeriale Machtpotential durchaus als Konkurrenz.
Das obige Bild zeigt den aus dem Ministerialenstand stammenden Diepold v. Schweinspeunt, späterer Graf v. Acerra und Herzog v. Spoleto (1210 Gegenherzog [Otto IV.], + nach 1221). Der Aufstieg und Fall dieses Reichsministerialen kann als seltenes aber durchaus mögliches Beispiel einer ministerialen Aufstiegslaufbahn herangezogen werden, auch wenn dieser nach seinem Fall sein Leben als vermutlicher Ritterbruder des Deutschen Ordens beendete. Später entwickelten sich die Ritterorden zu einer Versorgungsanstalt verarmter Adliger, die als Ordensritter zumindest noch ein standesgemäßes, wenn auch einfaches, Leben führen konnten.

Weitere Info:
Adobe Universität Münster (Pdf - 311 KB)
Wikipedia-Diepold v. Schweinspeunt
Der Sariant oder Sarjant
auch: Serjens, Sergent, Sergeant
Sarianten - Codex Manesse - ©gemeinfrei Sarianten - Codex Manesse - ©gemeinfrei
Ein nach ritterlicher Art bewaffneter Krieger nicht-ritterlicher Abstammung.

In den mittelalterlichen Heeren wurde ein beachtlicher Teil von bürgerlichen, nicht ritterbürtigen, Waffenknechten eingesetzt, die in ihrer Verwendung als gepanzerter Reiter, Fußkämpfer, Bogen- oder Armbrust-Schütze einen festen Platz im damaligen Kriegswesen einnahmen.

Im Verlauf des 12.Jhs. kam es zum vermehrten Einsatz von servientes loricati (gepanzert. Bediensteten) und serjens a cheval (berittenen Sergeanten) in den Schlachtreihen der schwer gepanzerten Reiterei.
Diese Waffenknechte bildeten auch einen Bestandteil der kleinsten militärischen Einheit des Mittelalters - der "ritterlichen Gleve oder Lanze". Innerhalb dieser Gleve wurden dem schwer gepanzerten Ritter mehrere dieser Waffenknechte als Mitkämpfer an die Seite gestellt.
Figurine Figurine "Sariant" - Deutscher Ritterorden - ©unbekannt
In den geistlichen Ritterorden erreichten diese Waffenknechte (Sarianten) als Vollmitglied des Ordens eine nicht unbedeutende Stellung und sind in großer Zahl feststellbar. Wie die Ritterbrüder legten auch die Sarianten die Gelübde der Armut, Demut und Keuschheit ab. Ein Aufstieg zum Ritterbruder war in den Anfängen der geistlichen Ritterorden durchaus möglich.
Ihre rechtliche Grundlage fußte auf einer päpstliche Bulle von 1216 und ermöglichte diesen auch die Bekleidung von niederen Ämtern. Insoweit stellte dies einen sozialen Aufstieg des bürgerlichen Elementes innerhalb der Orden dar.

Für den Templerorden war die Ausrüstung dieser Waffenknechte wie folgt standardisiert: "Im übrigen steht ihnen alles zu, was die Ritterbrüder haben, mit Ausnahme des Roßpanzers, den sie nicht haben, ferner des kleinen Zeltes und des Kessels. Sie können jedoch ein Panzerhemd haben ohne Panzerärmel, außerdem Eisenhosen ohne Schuhe sowie einen Eisenhut."

Der Johanniter- wie auch der Deutsche-Orden haben diese Regel gleichfalls übernommen. Im Unterschied zum Ritterbruder, der über vier Pferde verfügte, standen dem Sariant, in der Verwendung als miles loricatus (Panzerreiter), bis zu zwei Pferde zu.

Historische Textstellen:
Adobe Sarjant / Sarjantbruder
Fehde und Krieg
Durch die Fehde wurde ein tatsächliches oder auch nur angenommenes Unrecht durch den Kampf wieder gutgemacht. Es handelte sich um eine Form des legitimen Kleinkrieges, der von den Grundsätzen des damaligen Kriegswesens ausgehend auch umfassende Feldzüge und Belagerungen mit einschloss.
Das Mittelalter zeigt uns Beispiele von Fehden und Raubzügen auf, die auf äußerst blutige und zerstörerische Weise ganze Landstriche verheert haben. Ab dem 13.Jh. ist eine deutliche Verrohung der Kampfweise feststellbar; dem Gegner wurde durch die Vernichtung der Ernte und seiner Landgüter zuerst die wirtschaftliche Grundlage entzogen. Die Folgen für die Bevölkerung waren drastisch und bedrohten deren Existenz. Von der Kirche und dem Königtum initiierte Landfriedensbeschlüsse erwiesen sich letztendlich als nicht zielführend.
Schlacht bei Mühldorf (1322) - letzte Ritterschlacht ohne Feuerwaffen [Wikipedia]
Schlacht bei Mühldorf (1322) - letzte Ritterschlacht ohne Feuerwaffen [Wikipedia]
Zum Kriegswesen: Als kleinste militärische Grundeinheit der Feudalheere ist uns seit dem 10. Jahrhundert die sogenannte "Lanze" oder "Gleve, Glefe" überliefert. Der schwer gepanzerte Ritter versammelte um seine "Lanze / Gleve" eine weitere Gruppe von Kämpfern mit unterschiedlicher Bewaffnung und Kampfaufgabe. Mehrere Lanzen oder Gleven bildeten ein "Banner" ; eine bestimmte Anzahl von Banner einen "Schlachthaufen", oder auch Gewalthaufen.
Die Schlachtordnung basierte noch immer auf den massiven Formationen antiker Vorbilder (Griechen, Römer). Bis zum Jahr 1450 kämpften die Fußtruppen in einer Keilform, in der ersten Formation waren die Fürsten mit ihrem Gefolge vertreten, gefolgt vom Gewalthaufen. Dieser formierte sich in einer Kolonne, die eine größere Tiefe wie Breite aufwies.
 
Weitere Info:
Adobe Univ. Luzern - Fehdeführung im Mittelalter (Marleen Tschopp, PDF - 2,3 MB)
Ein Ideal in der Krise
Der Verfall des ritterlichen Kriegertums im Spätmittelalter
Bild: Horst Carl - Der Schwäbische Bund 1488-1534 - Heiliger Georg mit Fahne; Landfrieden u. Genossenschaft im Übergang von Spätmittelalter zur Reformation - ©gemeinfrei Bild: Horst Carl - Der Schwäbische Bund 1488-1534 - Heiliger Georg mit Fahne; Landfrieden u. Genossenschaft im Übergang von Spätmittelalter zur Reformation - ©gemeinfrei
Mit dem Niedergang des Besitzstandes verlor der Adel auch als Kriegerkaste an Bedeutung. Durch die Einführung von Feuerwaffen und massierten Infanterieformationen auf dem Schlachtfeld, sowie der anwachsenden Macht des Bürgertums, geriet der ritterliche Kämpfer und Lehnsmann des Reiches in die Krise. Ideologisch versuchte der Adel hier noch gegenzusteuern, mit der Bildung von Ritterbünden sollte dem Zerfall der adligen Lebensweise entgegengewirkt werden. Ritterliche Turnierkämpfe und die Erhaltung der adligen Privilegien und Rechte waren nun das Ziel, so versuchte man sich gegen die gut ausgebildeten bürgerlichen Beamten im Hofdienst und gegenüber den mächtigen Landes-/Regionalherren zu positionieren. Im übertragenen Sinn traf der folgende Spruch die Wahrheit im Kern: "Wer zugrunde gehen soll, der wird zuvor stolz; und Hochmut kommt vor dem Fall." Der Rückfall zu den tradierten Werten des Rittertums erschuf hier eine Parallelwelt, die bald darauf von der Wirklichkeit überrollt wurde.
 
Wenn auch die Einzelinteressen der Regionalherren - des höheren Reichsadels - das Reich in vielen Dingen lähmten, setzten hier doch notwendige Modernisierungsprozesse ein, um gegen die zentralisierten Monarchien wie Frankreich und England bestehen zu können. Mit dem erstarkten Königreich Frankreich erwuchs dem Reich ein mächtiger Gegner, den es im Zaum zu halten galt.
Ausstellungskatalog Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, Band 61 - Kunsthistorisches Museum Wien - Kaiser Maximilian I. - Der letzte Ritter und das höfische Turnier, 2014 - ©REM Ausstellungskatalog Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, Band 61 - Kunsthistorisches Museum Wien - Kaiser Maximilian I. - Der letzte Ritter und das höfische Turnier, 2014 - ©REM
Die Ritterturniere dieser Zeit waren aber nicht nur reine Schaukämpfe, sie dienten auch dem Erhalt der körperlichen Gewandheit und Stählung der Kampfkraft dieser ständischen Berufskrieger. Eine gewollte und auch zu erwartende Ernsthaftigkeit wurde dort an den Tag gelegt, die Rennen verursachten in der Regel dann auch Todesfälle.
Für das Haus Fürstenberg kann beispielhaft der Tod des jungen Grafen Johann v. Fürstenberg angeführt werden, der am 30. März 1443 bei einem Hochzeitsturnier in Stockach vom Freiherren Werner v. Zimmern im Lanzenstechen derart unglücklich aus dem Sattel gehoben wurde, dass dieser wenige Tage darauf auf der Burg Fürstenberg verstarb.
Eine Renaissance der höfischen Ritterturniere zur Zeit des Habsburgers Maximilian I. bewirkte dann noch einmal eine romantische Rückbesinnung auf das klassische Rittertum. In Darstellung und Ausführung stellten die Ritter in ihren gotischen Rüstungen eher Kunstwerke dar, der handwerkliche Höhepunkt der deutschen Plattnerkunst wurde perfekt ins Bild gesetzt.
 
Weitere Info:
WEB: Burgkmair, Hans: Turnierbuch - Kopie nach dem Original von Hans Burgkmair d. Ä. - BSB Cod.icon. 403, Augsburg, um 1540 [BSB-Hss Cod.icon. 403] - Darstellung der unterschiedlichen Turnierarten.
Schwerer Reiter, nach einer Studie von Albrecht Dürer aus dem Jahr 1498. Text: Daz ist die rustung zw der czeit jm Tewtzschlant gewest. - Dürer verarbeitete die Studie dann später modifiziert in seinem Bild: Ritter, Tod und Teufel, von 1513 - ©gemeinfrei Schwerer Reiter, nach einer Studie von Albrecht Dürer aus dem Jahr 1498. Text: Daz ist die rustung zw der czeit jm Tewtzschlant gewest. - Dürer verarbeitete die Studie dann später modifiziert in seinem Bild: Ritter, Tod und Teufel, von 1513 - ©gemeinfrei
Adelsvereinigungen
Seit dem Spätmittelalter suchten die römisch-deutschen Könige dann die Nähe und Unterstützung des Niederadels um eine Handlungsfähigkeit des Reiches noch gewährleisten zu können. Die Entstehung mächtiger Adelsbünde wurde von diesen unterstützt, ein Gegengewicht zu den mächtigen Landesfürsten hergestellt. In Schwaben stand an erster Stelle der Ritterbund des Sankt Jörgenschild, im benachbarten Tirol der Falkenbund. Diese kämpften dann gegen die rebellischen Schweizer Bauernaufgebote. Mit der späteren Bildung des Schwäbischen Bundes entstand dann eine politische Kraft, welche die Interessen des Adels, der Städte und der Prälaten dann auch machtvoller im Krieg vertreten sollte. Bereits 1534 zerbrach dieser Bund dann an den Auswirkungen der Reformation, es bildeten sich nun die konfessionellen Bünde.
 
Konflikte
Die Türkeneinfälle von 1469-1477, der größte dann 1478, in der Krain und Kärnten lösten umfassende Abwehrkämpfe aus. Eine verstärkte Befestigungstätigkeit im Alpenraum setzte ein, zur Finanzierung wurde 1475 die Türkensteuer eingeführt. In dieser schon angespannten Situation brachen dann bewaffnete Konflikte mit Ungarn aus, 1477 kam es zu einem Einfall ungarischer Truppen in Österreich. 1478 dann erneute Konflikte unter König Matthias Corvinus v. Ungarn, 1480 fallen die Türken in Ungarn und der Steiermark ein. Die Auseinandersetzungen mit Ungarn setzten sich dann ständig fort, mit dem Tod von Matthias Corvinus, und nach dem abgebrochenen Feldzug des römisch-deutschen Königs Maximilian nach Ungarn bis vor Ofen, trat 1490 endlich eine Beruhigung ein. 1493 fand dann auch der Burgundische Erbfolgekrieg seinen Ausgang.
 
Zusammenfassend ergab sich hier ein ständiges Kriegstreiben, das Reich und die Landesfürsten kämpften an unterschiedlichsten Fronten mit wechselndem Erfolg. Ständige Aushebungen und Anwerbungen von Truppen generierten hier eine gewaltige Nachfrage nach Kriegsknechten und Söldnern.

Weitere Info:
Adobe Handbuch der Geschichte des Herzogtums Kärnten.... (Pdf, 28 MB!)
Angelo Jank (1868-1940), Panzerreiter - ©gemeinfrei Angelo Jank (1868-1940), Panzerreiter - ©gemeinfrei
Unruhe im Volk
Gesellschaftliche Verwerfungen innerhalb der spätmittelalterlichen Welt erzeugten einen latenten Druck, der sich immer wieder schlagartig Raum verschaffte. Ausbrechende Unruhen und Aufstände prägten diese Epoche, die einerseits von künstlerischen Höhepunkten, andererseits von tiefster Armut, begleitet wurde. Die unbeugsame Härte des Schwäbischen Bundes im Bauernkrieg sprach dann für sich, freiheitliche Ansätze wurden im Keim erstickt. Das Los der Bauern wurde noch schlimmer, noch unerträglicher. Untereinander waren sich die Christen wahrlich die Nächsten, man erschlug sich ohne Hemmungen zu Tausenden.
 
Bild rechts: Angelo Jank (1868-1940), Impression Panzerreiter (Kürißer).
Eiserne Wehr, Panzerreiter in einfacher Feldrüstung (Kürißer, Ganzer Harnisch) mit geschlossenem Helmtyp zur Zeit Georgs v. Frundsberg und später. Darstellung ohne angelegten Schwertgurt, angenehmer Kontrast zu den überladenen Prunkrüstungen dieser Zeit. Die dargestellte Einfachheit der Rüstung verweist bereits auf die Massenherstellung dieses Körperschutzes, die Komplettheit auf einen ritterlichen Kämpfer oder Befehlshaber. Interessantes Detail: Hals-/Hemdkrause (Früh-Renaissance), die Brechbleche als Halsschutz fehlen, bzw. sind nur minimal ausgeführt.
Klimatische Veränderungen
Als es in Europa extrem kalt war. Die Winter zwischen 1430 und 1440 waren unverhältnismäßig kalt. Sie brachten in Teilen Europas Missernten, steigende Nahrungsmittelpreise, Hunger, Krankheiten – und Pilzvergiftungen. Online-Artikel: Neue Zürcher Zeitung - 1.12.2016 [Link]
Studie WEB: The 1430s: a cold period of extraordinary internal climate variability during the early Spörer Minimum with social and economic impacts in north-western and central Europe [Pdf, 4,8 MB] - Quelle: Clim. Past, 12, 2107-2126, 2016
Das Ende der Ritterheere
Zeitalter der Landsknechte
Landsknecht - colorierte Zeichnung - ©unbekannt. Original: Erhard Schön, Schneider und Neterin - 1520/30. Zur gebräuchlichen Armata dieser Zeit: Spieß, oder Halbarte zum Herunterziehen der Ritter, Kurzschwert - Katzbalger, das kurze zweischneidige breite Messer. Ergänzend der Gassenhauer, ein monströser Bidenhänder mit langer Klinge. Halbharnisch oder Mußzeug als Körperpanzer, vielfach Beckenhaube und Eisenhut, Armbrust und Hakenbüchse. Je besser die Ausrüstung, desto höher lag der Sold. Landsknecht - colorierte Zeichnung - ©unbekannt. Original: Erhard Schön, Schneider und Neterin - 1520/30. Zur gebräuchlichen Armata dieser Zeit: Spieß, oder Halbarte zum Herunterziehen der Ritter, Kurzschwert - Katzbalger, das kurze zweischneidige breite Messer. Ergänzend der Gassenhauer, ein monströser Bidenhänder mit langer Klinge. Halbharnisch oder Mußzeug als Körperpanzer, vielfach Beckenhaube und Eisenhut, Armbrust und Hakenbüchse. Je besser die Ausrüstung, desto höher lag der Sold.
Der Niedergang der ritterlichen Heere und ihrer standeseigenen Kampfweise wurde letztlich mit den vernichtenden Niederlagen in den Schweizerkriegen eingeleitet. Vorangegangen war hier aber der Erfolg der Grafschaft Flandern bei Kortrijk (Sporenschlacht). Die Flamen besiegten 1302 ein französisches Ritterheer und schmückten die Kathedrale in Kortrijk mit Hunderten goldener Sporen erschlagener Ritter aus (700 Ritter, insgesamt 1.000 Tote).
 
Die Erfolge der Eidgenössischen Gewalthaufen in den Schlachten von Morgarten (1315), Laupen (1339), Sempach (1386), Näfels (1388), Granson und Murten (1476) beendete die Dominanz des schwer gepanzerten Ritters auf dem Schlachtfeld; an den Gewalthaufen der Fußtruppen, ausgerüstet mit Hellebarden und Langspießen, zerschellten die vorgetragenen Angriffe des Ritterstandes. Die Verluste auf Seiten der Ritter können durchaus als vernichtend bezeichnet werden und führten letztendlich zu einem Wandel des Kriegswesens; die schwer gepanzerten Ritter konnten weder zu Pferd noch zu Fuß die leichteren Fußtruppen überwinden und wurden zudem auf ungünstigem Gelände zum Kampf gestellt. Das schweizerische Erfolgsmodell der massierten Infanterie in Blöcken, eher der makedonischen Phalanx wie der römischen Legion in der Antike ähnelnd, verfeinerte sich zudem im Lauf der Zeit und ein Jahrhundert später treffen wir dann auf ein vollkommen infanteristisch dominiertes Kriegswesen.
 
In der Schlacht bei Marignano (1515) erlitten die Eidgenossen ihre größte Niederlage, die nachfolgend zum Abschluss der "Ewigen Richtung" und zur Anbindung an Frankreich führte. Nach 1516 standen die Eidgenossen dauerhaft in französischem Sold und kämpften in Norditalien gegen das Kaiserreich. Die Italienkonflikte entwickelten sich für die Schweizer zu einem blutigen Aderlass, die Intensität und Härte der dortigen Kämpfe forderte gewaltige Opfer. Für die Eidgenossenschaft können Schätzungen über die Kriegsverluste des Reislaufens angenommen werden, für das 15. Jhdt. ca. 50.000 bis 100.000 Kombattanten, im 16. Jhdt. bereits schon ca. 250.000 bis 300.000 - eine verheerende Bilanz [Pleticha].
Georg (Jörg) v. Frundsberg (* 24. September 1473; † 20. August 1528), Sohn eines Hauptmanns des Schwäbischen Bundes, Obrist Feldhauptmann der Grafschaft Tirol, volkstümlich: Vater der deutschen Landsknechte - ©gemeinfrei. Eine interessante Personalie soll hier noch Erwähnung finden: Ritter Ulrich v. Schellenberg zu Kißlegg (1478–1549), Doctor beider Rechte, Eques auratus, Feldhauptmann und Kriegsrat der Kaiser Maximilian I. und Karl V. v. Habsburg. Georg (Jörg) v. Frundsberg (* 24. September 1473; † 20. August 1528), Sohn eines Hauptmanns des Schwäbischen Bundes, Obrist Feldhauptmann der Grafschaft Tirol, volkstümlich: Vater der deutschen Landsknechte - ©gemeinfrei. Eine interessante Personalie soll hier noch Erwähnung finden: Ritter Ulrich v. Schellenberg zu Kißlegg (1478–1549), Doctor beider Rechte, Eques auratus, Feldhauptmann und Kriegsrat der Kaiser Maximilian I. und Karl V. v. Habsburg.
Deutsche Landsknechte
Im Jahr 1486 erscheinen dann erstmals auch deutsche Fußtruppen nach schweizerischem Muster, der römisch-deutsche König Maximilian v. Habsburg versuchte diese Soldtruppen als frei verfügbares Machtinstrument einzusetzen. Im abgebrochenen Ungarnfeldzug von 1490 wurden dann neu angeworbene deutsche Landsknechte zusammen mit Schweizer Reisläufern in einem scharf voneinander geschiedenen Truppenverband zum Einsatz gebracht (jeweils 4.000 Mann), die Konfrontation des Reiches mit den Eidgenossen im Schwabenkrieg (1498/99) vereitelte aber vorerst die Weiterführung dieses Modells.
 
"Gott gnad dem großmächtigen Kaiser frumme
Maximilian, bei dem ist aufkumme
ein Orden. Durchzeucht alle Land
mit Pfeifen und Trummen:
Landsknecht sind sie genannt."
Lied der Landsknechte nach dem Tod Kaiser Maximilians I.
"Letzter Ritter" und "Erster Landsknecht"!

Unter dem Feldherren Georg (Jörg) v. Frundsberg erreichten die deutschen Landsknechte bald darauf den Kampfwert ihres Schweizer Vorbildes.
Aus Schwaben und Tirol angeworbene Landsknechte ließen eine verlässliche Treue und Kampfmoral gegenüber den Schweizer Reisläufern erwarten, es entstand eine bisweilen befremdliche Konkurrenzsituation auf dem Söldnermarkt. Eine gemischte Verwendung von Landsknechten und Reisläufern war aber nahezu unmöglich, es konnten nur national geschlossene Verbände in Dienst genommen werden. So wurde verhindert, dass sich die beiden Parteien nicht schon im eigenen Lager bis auf das Blut bekämpften.
Mörderische Rivalitäten
Das Verhältnis zwischen den deutschen Landsknechten und den Schweizer Reisläufern kann durchaus als schlecht bezeichnet werden, es kam hier zu zahlreichen Auseinandersetzungen, die mit brutalster Härte ausgetragen wurden. Der Schwabenkrieg - auch Schweizerkrieg - von 1498/99 begründete hier ein unheilvolles Zerwürfnis zwischen Landsknecht und Reisläufer. Gegenseitige Beleidigungen und Herabsetzungen waren an der Tagesordnung, auf dem Schlachtfeld schlugen sich die beiden Parteien dann mit einer besonderen Hingabe.
Albrecht Altdorfer, Triumphzug Kaiser Maximilians, Szene: Der greuliche Schweizer Krieg. Entstehungsjahr um 1513–1515, Grafische Sammlung der Albertina in Wien.
Albrecht Altdorfer, Triumphzug Kaiser Maximilians, Szene: Der greuliche Schweizer Krieg. Entstehungsjahr um 1513–1515, Grafische Sammlung der Albertina in Wien.
Eine Überlieferung von 1513 kündet von einem Gefecht von 800 Landsknechten, die in aussichtsloser Lage und von einer Übermacht Schweizer Söldnern bedroht, ihren gesamten Sold in einem nahen Fluss versenkten um diesen keine Beute zu überlassen. Danach wurden die Landsknechte bis auf den letzten Mann abgeschlachtet. Ein Lied aus dieser Zeit berichtet darüber, dass selbst die erschlagenen Landsknechte nicht neben toten Eidgenossen liegen wollten. [Pleticha]
Schweizer Reisläufer und Landsknechte im ausserordentlich grausamen Handgemenge, dem sog.
Schweizer Reisläufer und Landsknechte im außerordentlich grausamen Handgemenge, dem sog. "Schlechten Krieg". Die langen Piken konnten im Nahkampf nicht mehr eingesetzt werden, an deren Stelle wurden Hellebarden, Schwerter und Dolche verwendet. Stich von Hans Holbein dem Jüngeren (1498-1543). Grafische Sammlung der Albertina, Wien
Ein kriegsgeübter Landsknecht stellte ein erhebliches Gewaltpotential dar, dass effizient und diszipliniert im Krieg eingesetzt werden konnte (Kriegsartikel). Befand sich der Landsknecht aber im Status eines "gartenden" Knechtes, also im unbeschäftigten Friedensverhältnis, wurden vielfach Ehrenhändel und Schlägereien ausgetragen. Zumeist zogen die Kontrahenten der Landsknechte hier den Kürzeren, die Fechtkunst und Kampfmoral dieser Berufskrieger war hoch ausgebildet, verbunden mit einem sonderbaren Ehrgefühl (lat. amor fati - Liebe zum Schicksal). Eine äußerst gefährliche Kombination für jeden möglichen Gegner. Entsprechende Rechtsvorgänge über Gewalttaten beteiligter Landsknechte sind zahlreich dokumentiert. Vergewaltigung, Raub und Totschlag waren keine seltenen Delikte, vielfach löste die persönliche Not dieser Söldner solche Exzesse aus.

Weitere Info:
Adobe Quelle: Gartende Landsknechte und Vergehen (Pdf - 16 KB)
Adobe Quelle: Offiziersvergehen (Pdf - 50 KB)
Adobe Quelle: Landfriedensmandat (Pdf - 45 KB)
Das wilde Kriegsvolk

"Die fünf Landsknechte", Radierung von Daniel Hopfer, um 1530 - ©gemeinfrei
Wilder Leute hab ich nie gesehen.
Ihre Kleider aus den wildesten Sitten,
Zerflammt, zerhauen und zerschnitten.
Einsteils ihr Schenkel blecken täten,
Die andern groß weit Hosen hätten,
Die ihnen bis auf die Füß herabhingen,
Wie die gehosten Tauber gingen.
Ihr Angesicht schrammet und knebelbartet,
Auf das allerwildest geartet;
In summa: wüst aller Gestalt,
Wie man vor Jahren die Teufel malt.
Hans Sachs, Nürnberg
Sie lassen Hosen machen,
Mit einem Überzug
Der hangt bis auf die Knochen
Daran han sie nit genug.
Ein Latz muß sein darneben,
Wohl einen Kalbskopf groß,
Kartheken drunter schweben,
Seiden ohne alle moß...
Zeitgenössisches Lied (16. Jhdt.)
Zeugbuch Maximilian I. - Helmbarten, Innsbruck, 1502 - ©BSB-Hss Cod.icon. 222 Zeugbuch Maximilian I. - Helmbarten, Innsbruck, 1502 - ©BSB-Hss Cod.icon. 222
wes Brot ich ess, des Lied ich sing
"Eines jeglichen Kriegsmanns oder Landknechts Befehl und Amt ist, sobald einer von einem Herrn angenommen ist und Geld empfängt, so ist er schuldig, demselbigen, dazu er bestellt, nachzukommen, denn dieweil er Geld empfangen, so hat er seine Haut, sein Leib und Leben verkauft." Zeitgenössische Überlieferung.
 
An dieser Stelle stoßen wir auf einen Verhaltenskodex, der in der Regel in den vertraglich festgelegten Kriegsartikeln der Landsknechte zwar vorgeschrieben, aber so nicht ausschließlich praktiziert wurde. Der auf eigene Kasse kämpfende Landsknecht war immer darauf erpicht seine Kampfkraft, also die eigene Gesundheit, so lange wie möglich aufrecht zu erhalten, sofern die persönliche Ehre, oder andere gewichtige Gründe, dem nicht entgegenstanden. Als Invalide war der Landsknecht in seiner persönlichen Existenz bedroht, nur im kampfbereiten Zustand konnte dieser seinen Unterhalt sichern. Insofern bestand hier eine grundlegende Übereinkunft, den Grad der bestellten Kampfleistungen genau abzuwägen und die Sache des Kriegsherren als vertretbar zu befinden. Mit der besagten Annahme durch das Werbekommando und dem Empfang des Handgeldes war der Kontrakt dann geschlossen.
Der schlimmste anzunehmende Fall trat dann ein, wenn es im Verlauf der Kampfhandlungen, oder schon im Vorfeld, zum sogenannten "Schlechten" oder "Bösen" Krieg kam. Diese Begriffe standen für den kollektiven Kampf bis zum Tod, dem maximalen Einsatz der eigenen Kampfkraft bis zur wissentlichen Vernichtung. Die Kombattanten steigerten sich hier zur absoluten Raserei und Mordlust, moralische Schranken oder menschliche Hemmungen wurden vollständig ausgeschaltet. Zur Verhütung dieser Eskalationsstufe konnten im Vorfeld der Kämpfe gegenseitige Übereinkünfte ausgehandelt werden, kamen diese aber nicht zustande hieß es Kampf bis zum bitteren Ende. In den ersten Jahrzehnten der aufkommenden Landsknechte spielte der Ehrbegriff oder Kodex durchaus noch eine Rolle, die nachfolgenden Söldnergenerationen legten diese moralischen Werte aber schnell ab. Eine Verrohung der Kriegssitten ließ sich auch mit drakonischen Strafandrohungen nicht mehr verhindern. Es hieß dann vielfach: "Genießt den Krieg, der Frieden wird fürchterlich sein!"
Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel (1532-1594) - ©gemeinfrei Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel (1532-1594) - ©gemeinfrei
Den Fürsten und Feldherren waren diese freien Kämpfer zuweilen eine schwere Last, mit Stolz und Ehrgefühl traten die Landsknechte gegenüber den Werbeherren auf und forderten von diesen auch beschworene Rechte ein. Die überlieferte Textpassage des Landgrafen Wilhelm IV. v. Hessen-Kassel (1532-1592) beschreibt die Nöte der Landesherren gegenüber diesen selbstbewussten Zeitgenossen sehr treffend: "Es ist kein abscheulicher Ding auf Erden als ein Krieg. Vornehmlich wird der Name Gottes schändlich und ärgerlich mißbraucht und verunehret; alle guten Gesetze und Ordnungen liegen in der Kriegszeit darnieder. ...Die Herren und Fürsten müssen von ihren eigenen Untertanen und Kriegsleuten, über die sie sonst herrschen und gebieten, viel Hohn und Übermut erleiden, ihre Knechte sein und tun, was sie wollen..." Es kommt hier also einer Gotteslästerung gleich, wenn ein Untertan im Krieg aufmuckt und nicht brav und still in den Kampf zieht! [Pleticha]
Urteil aus berufenem Mund
Am Ende seines Lebens äußerte sich Georg v. Frundsberg, der Vater der deutschen Landsknechte, verbittert über seine Auftraggeber (1527, vor Bologna): "Hilft mir Gott aus diesem Krieg, so will ich mein Leben lang keinen mehr. Die großen Herren machen Fried und Unfried, wenn sie wöllen, und uns, die dem Kaiser treuwlich gedienet, will man auff die Fleischbank opffern. Sie sehen auff ihren vortheil und lassen uns zugrundt gehen." Wahre Worte, die Herrscher und Landesfürsten dieser Zeit waren zuweilen undankbar und selbstsüchtig, ein überlieferter Nachruf thematisiert dies in aller Klarheit: "Er [Frundsberg] pflag auf die letzt zu sagen: Drey Ding sollen einen jeden vom Krieg abschrecken: die Verderbung und Unterdrückung der armen unschüldigen Leut, das unordentlich sträfflich Leben der Kriegsleut, und die Undanckbarkeit der Fürsten, bei denen die Ungetreuwen hoch kommen und reich werden, und die Wolverdienten unbelohnet bleyben." Undank, ist der Welt Lohn...
Zeugbuch Maximilian I. - Lanzeneisen, Innsbruck, 1502 - ©BSB-Hss Cod.icon. 222 Zeugbuch Maximilian I. - Lanzeneisen, Innsbruck, 1502 - ©BSB-Hss Cod.icon. 222
Italienkriege
Mit der Frontstellung des Kaiserreiches im I. Italienkrieg (1521-1525) waren die nationalen Herkünfte auf dem Schlachtfeld unheilvoll geklärt, jetzt galt es: Deutscher Landsknecht gegen Schweizer Reisläufer!
 
Vormals im Schwabenkrieg erlittene Niederlagen sollten sich keinesfalls wiederholen, Georg v. Frundsberg hatte 1499 an den dortigen Kämpfen teilgenommen. Seine gewonnenen Erfahrungen mit den Eidgenossen im anschließenden Krieg um Mailand unter Herzog Ludovico Maria Sforza "il Moro" (1499-1500) bildeten dann das Rüstzeug für die kommenden Kriege (Spießtaktik, Verrat von Novara). 1504 kommandierte er schon das Memminger Aufgebot (Landsknechtformation), 1509 warb er für den Venezianerkrieg (1508-1513) sein eigenes Regiment an. Mit 7.000 Landsknechten aus Schwaben und Tirol stand er 1513 in Oberitalien. Im Frühjahr 1521 begannen dann die Kämpfe gegen Frankreich in den Pyrenäen und den Niederlanden. Schon im Herbst musterte er 6.000 Landsknechte auf eigene Kosten, die er im Winter über die verschneiten Alpenpässe nach Oberitalien führte. Wie schon erwähnt, kam es dort zur finalen Konfrontation mit den Eidgenossen in französischem Sold.
Virgil Solis, HWG, um 1540/45: Des heiligen Roemischen Reiches Wappen. Der nimbierte heilige Doppeladler - ©gemeinfrei Virgil Solis, HWG, um 1540/45: Des heiligen Roemischen Reiches Wappen. Der nimbierte heilige Doppeladler - ©gemeinfrei
Die deutschen Landsknechte kämpften nun für das Kaiserreich und Karl V. v. Habsburg, die schweizerischen Reisläufer für den französischen König Franz I. (Valois). In den Schlachten bei La Bicocca (1522, bei Mailand) und Pavia (1525) zertrümmerten die deutschen Landsknechte im Verbund mit spanischen Truppen die französisch-schweizerischen Verbände. Frundsberg führte die deutschen Landsknechte dort zum Erfolg und beendete die Dominanz des führenden schweizerischen Kriegswesens. Der Überlieferung nach wurde das Prunkschwert des gefangenen französischen Königs an diesen übergeben, die deutschen Landsknechte galten nach Pavia als die besten Fußsoldaten.
 
Vormachtstellung
König Franz I. musste im Frieden von Madrid 1526 auf alle italienischen Ansprüche verzichten, Mailand, Genua, das Herzogtum Burgund und Neapel blieben ihm aber noch. Der Kampf um die Vorherrschaft in Europa sollte aber noch bis 1559 andauern, bis König Heinrich II. den Frieden von Cateau-Cambrésis schloss und so die europäische Vormachtstellung von Frankreich auf Spanien überging. In der Schlacht bei Rocroi 1643 erlitt die spanische Armee dann ihre schwerste Niederlage durch die Franzosen, die Schlacht gilt als Wendepunkt in der Geschichte und bezeichnet das "schleichende" Ende der spanischen Vorherrschaft in Europa.
Schlacht von Pavia (1525) - Kaiser Karl V. siegt über König Franz I. v. Frankreich. Bild: Niederländische Malerei des 16. Jahrhunderts - Künstler unbekannt. - ©gemeinfrei
Schlacht von Pavia (1525) - Kaiser Karl V. siegt über König Franz I. v. Frankreich. Bild: Niederländische Malerei des 16. Jahrhunderts - Künstler unbekannt. - ©gemeinfrei
Schlachtgeschehen
Über die Schlacht bei Pavia und das Ende der Schwarzen Bande – Kriegsknechte in französischem Sold - berichtete der Teilnehmer Sebastian Schertlin in der für ihn typischen Art: "Wir haben den König nach harten Kämpfen geschlagen, ab zehntausend Personen in der Tessin ertränkt, mehrenteils Schweizer, die schändlich geflohen sind; aber die Knechte, die sich tapfer gewehrt haben, wurden erstochen." Bei der schwarzen Bande handelte es sich unter anderem auch um deutsche Söldner in französischen Diensten. Nachdem die deutschen Landsknechte in der Schlacht auf diese gestoßen waren, gab es kein Halten mehr. Deren Anführer Georg Langmantel, ein Augsburger Patrizier, wurde sofort an Ort und Stelle niedergestreckt, die als Verräter titulierten Franzosengänger ausnahmslos abgeschlachtet. Grimmiger und entschlossener konnte kein Kampf geführt werden!

Adobe Hans Stöcklein - Die Schlacht bei Pavia (Pdf - 11 MB); Univ. Heidelberg Archiv
Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist die ehemals ritterliche Waffengattung, die schwer gepanzerte Reiterei, bereits zur Teilstreitkraft herabgesunken. Diese war aber nach wie vor noch in der Lage den entscheidenden Stoß in der Schlacht zu führen, sofern es ihr gelang die gegnerische Front zu durchbrechen. Das ritterliche Gleven-System des Mittelalters hatte bereits 1467 sein Ende gefunden, unter Maximilian v. Habsburg wurde mit der Aufstellung von Ordonnanzen nach burgundisch-französischem Vorbild (Kürißer) das ritterliche Lehnsaufgebot der Vasallen endgültig umgewandelt und den Landsknechten an die Seite gestellt.
Geschütz mit Höhenverstellung auf drehbarer Lafette (1496). Mönch, Philipp - ©Univ.-Bibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 126, fol. 025r. Geschütz mit Höhenverstellung auf drehbarer Lafette (1496). Mönch, Philipp - ©Univ.-Bibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 126, fol. 025r.
pulvis pyrius - Donner und Rauch der Kanonen
Als neue Kraft konnte sich die Artillerie auf dem Schlachtfeld etablieren, deren verstärkter Einsatz einen neuen Schwerpunkt in der Kriegsführung darstellte. Eine übersichtliche Zusammenstellung der sich bis zu dieser Zeit im Einsatz befindlichen Artilleriegeschütze bilden die Zeugbücher Maximilians I. (1502, 1514) und andere bekannte Quellen. Von der Bombarde "tolle Grete", über eingegrabene Belagerungsgeschütze, die Viertelbüchse in Lade und Bank, dem Steinmörser "Der große Pumhart von Steyr (um 1350), dem vierzigläufigen Hagelstück, der Hauptbüchse, der Notbüchse, der Scharfmetze in Blocklafette, der großen Schlange in Burgunderlafette, dem Falkonetlein in Gabellafette und bis zum hängenden Hauptmörser, ziehen sich die unterschiedlichsten Ausführungen dieser neuen Waffengattung im 14./15. Jahrhundert. Der Unterhalt dieser technisierten Waffengattung war allerdings sehr kostspielig und erforderte enorme Aufwände.
 
Das Kriegsbuch des Philipp Mönch von 1496 überliefert ebenfalls eine sehr interessante Aufstellung von unterschiedlich lafettierten Geschütztypen dieser Zeit. Der technische Detaillierungsgrad überrascht und ist durchaus vergleichbar mit den Zeugbüchern Maximilians. Eine Primärquelle ersten Ranges, da hier auch seltene Drehlafetten und vor allem der bis zu dieser Zeit eingesetzte Belagerungspark dargestellt wird. Mönch dokumentiert den Übergang von der althergebrachten Wurf- und Schleudertechnik des Mittelalters (Bliden) zum Schießpulver und dessen Anwendung (Kanonen). Der Bezug auf dieses Werk wird als zwingend erachtet, eine bildliche Darstellung notwendigerweise verwendet (©Univ.-Bibliothek Heidelberg).
Adobe  Wissenschaftliche Beschreibung: Kriegsbuch des Philipp Mönch von 1496 - (Pdf, 72 KB)
Adobe  Schwarzpulver: Salpeter und Salpetergewinnung vom Mittelalter zur Neuzeit - (Pdf, 10,5 MB)
WEB: [Ruhr Universität Bochum]
Zeugbuch Maximilian I. - Notbüchsen, Innsbruck, 1502 - ©BSB-Hss Cod.icon. 222 Zeugbuch Maximilian I. - Notbüchsen, Innsbruck, 1502 - ©BSB-Hss Cod.icon. 222
[Frondsberg] beschreibt 1566 die Gliederung eines Artilleriekorps wie folgt: Ein Tross von 130 Artilleriestücken umschloss 100 Feldgeschütze mit folgender Ausrüstung - 2.675 Pferde, 891 Fuhrleute, 5 Geschirrmeister, 124 Büchsenmeister, 63 Munitionswagen, 4 Fähnlein Pioniere (oft auch Trosspersonal, Frauen und Kinder), 200 Schneller (Ladekanoniere), sowie gewöhnliche Handwerker. Zusätzlich standen weitere 100 Wagen für Munition und Ausrüstung zur Verfügung (400 Pferde, 100 Trossknechte). Dem Obersten Zeugmeister, oder Feldzeugmeister, unterstanden die Büchsenmeister, Schanzmeister, Schanzbauer, Geschirrmeister, Zeugwarte und Schneller. Die Kosten für eine Kanone (Nachtigall) beliefen sich auf 1.356 Gulden, die Schneller erhielten 6 Gulden Monatssold, also 2 Gulden mehr wie ein normaler Landsknecht. Ein Büchsenmeister kam schon auf 8 bis 16 Gulden pro Monat. In Summe beliefen sich die monatlichen Kosten für dieses Artilleriekorps dann auf nahezu 50.000 Gulden. Das Korps selbst bildete disziplinarisch eine eigene Gemeinschaft mit höherer Besoldung und Privilegien gegenüber den Landsknechten, dafür wurde erwartet, dass dieses in der Schlacht seine Position an den Kanonen hielt und nicht an Plünderungen teilnahm. Ein ungewöhnliches Privileg stellte sicherlich die Immunität gegenüber dem Profoss dar, die Berührung einer Kanone räumte einem Flüchtling ein örtliches Asylrecht über drei Tage gegenüber der allgemeinen Militärjustiz ein. Innerhalb einem Radius von 24 Schritten um die Kanone durfte der Profoss keinen Zugriff durchführen. Kam es zu Verstößen gegen dieses Recht, konnte der Oberste Feldzeugmeister sein Korps von der Armee abziehen. Generell unterlagen die Kanoniere eigenen Kriegsartikeln und somit einer gesonderten Militärjustiz. Auch bildeten die Frauen der Kanoniere einen eigenen Tross.
Der Krieg frisst seine Kinder
Die Schlachtberichte dieser Zeit überliefern uns grausame Kämpfe, die eingesetzten Kriegsknechte starben elend zu Tausenden. Im Grunde zählte das kurze Leben eines Landsknechts wenig, solange für diesen immer wieder ein neuer angeworben werden konnte. Der unablässige Zuzug dieser einfachen Glücksritter schmierte das Getriebe des Mordens und Schlachtens ohne Unterlass, den kriegführenden Fürsten waren diese Schicksale aber so fern wie die Sonne der Erde. Der einzige limitierende Faktor war das Kapital, Krieg führen war sehr teuer und der Sold musste ständig fließen. Ein Feldherr, der seine Truppen nicht bezahlen konnte, lief durchaus Gefahr sein eigenes Leben zu verwirken. In kürzester Zeit verwandelte sich dann ein straff organisiertes Regiment in einen rebellierenden Gewalthaufen, der gnadenlose Exzesse an den Tag legen konnte. Kam es zu einem Aufstand, der seltenen "Veränderung", versammelten sich alle Landsknechte auf einem offenen Feld oder im Lager, setzten nach einer Abstimmung alle Offiziere ab, erwählten sich einen "General", einen "Rat", sowie eigene "Offiziere". Die soldatische Gemeinschaft unterwarf sich sogleich einer strengsten Disziplin und höchsten Kampfbereitschaft und bildete eine nahezu unbezwingbare Einheit zur Vertretung der gerechten Interessen. Insoweit waren alle Kriegsherren daran interessiert, stets ausreichende Kriegskassen oder Sachleistungen zur Verfügung zu haben. Liquidität war damals wie heute entscheidend, ohne Kreditwürdigkeit keine Werbung und somit keine Truppen. Das Bankhaus Fugger finanzierte zum Beispiel maßgeblich die habsburgischen Rüstungen. War der Ruf des Werbestandes aber ruiniert fanden sich nur wenige zwielichtige Gestalten bei diesem ein, die Qualität der Angeworbenen ließ dann sehr zu wünschen übrig.
Geheimes Ehrenbuch der Fugger, hergestellt in der Werkstatt Jörg Breu d. J., 1545–1549.
Wappendarstellung: Fugger zur Lilie - ©gemeinfrei Geheimes Ehrenbuch der Fugger, hergestellt in der Werkstatt Jörg Breu d. J., 1545–1549. Wappendarstellung: Fugger zur Lilie - ©gemeinfrei
Ohne Kapital kein Krieg
Eine entscheidende Rolle für die habsburgischen Rüstungen und deren Finanzierung nahmen die schwäbischen "Fugger zur Lilie" ein.
 
Die in Augsburg tätige Kaufmanns- und Bankiersfamilie betrieb eine langfristige Geschäftsbeziehung zu den Habsburgern und finanzierte deren Engagement im Reich und den Erblanden. Erste Kontakte mit König Maximilian v. Habsburg setzen sich fort, Kredite an Kaiser Karl V. für den Schmalkaldischen Krieg (1546/47) und den Fürstenaufstand (1552) lösten dann eine verhängnisvolle Kette fortlaufender Finanztransaktionen aus. Eine zunehmende Staatsverschuldung durch Misswirtschaft und ein fragwürdiges Geschäftsgebaren der habsburgischen Herrscher im Reich und in Spanien führte die Fugger nahezu an den Rand des Untergangs, ein Zusammenbruch des fuggerschen Finanzsystems konnte nur mit Mühe verhindert werden. Spanische Staatsbankrotte unter Kaiser Karl V. und König Philipp II. v. Spanien, sowie die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges und weiterer kriegerischer Verwicklungen, hinterließen einen habsburgischen Gesamtverlust in Höhe von 8 Millionen Gulden in deren Bilanz.
Demgegenüber standen übertragene Sicherheiten in Form hinterlegter Pfandrechte und Beteiligungen an Bergwerksunternehmungen in Spanien (Kastilien: Quecksilber, Zinnober) und im Reich (Tirol: Silber, in Kärnten, Thüringen und Ungarn), in Portugal der Gewürzhandel, sowie der klassische Tuchhandel (Webwaren). Als größter Metallhändler dieser Zeit förderten und erzeugten die Fugger gewaltige Mengen an Metallen aus ihren Bergwerken und Schmelzhütten, der Handel mit Kupfer, Silber, Quecksilber, Zinnober und zeitweise auch Gold, bildete hier zunehmend das Hauptgeschäft. Der traditionelle Handel mit Konsumgütern, auch mit Gewürzen und Tuchen, trat mehr und mehr zurück. Mit dem Gewinn aus diesen Geschäften wurde dann das Kreditgeschäft betrieben. Eine nahezu monopolartige Stellung der Fugger generierte für diese auch Machtmittel, die ohne weiteres auch zum Einsatz kamen. 1647 beendeten die Fugger ihre Montangeschäfte in Spanien, 1657 folgte dann die Aufgabe des Silberbergbaus in Tirol.
 
Dem Haus Fugger gelang der seltene Aufstieg einer bürgerlichen Kaufmannsfamilie aus dem Briefadel (1462 - Fugger vom Reh / 1473 - Fugger von der Lilie) in den Hochadel. Mit dem Erwerb von Grundherrschaften und Eigengütern im Wert von über 2,5 Millionen Gulden wurde die Erhebung in den Reichsadelsstand (1511) und den zuerst persönlichen wie später erblichen Reichsgrafenstand ermöglicht (1514 - Jakob Fugger der Reiche, 1530 - Anton Fugger; Linie von der Lilie). Eine gesicherte Führung des Grafentitels ist ab ca. 1620 wahrnehmbar, bis dahin fakultativer Freiherrenstand (1530/35, Titelführung ab ca. 1550) - Liegenschaften: Grafschaft Kirchberg und die Herrschaften Weißenhorn, Wullenstetten, Pfaffenhausen und Reste der früheren Grafschaft Marstetten, u.a.
 
Weitere Infos:
WEB: Augsburger Stadtlexikon - Artikel Fugger
WEB: Fugger - Offizielle Webseite
Adobe "Fugger, Grafen", in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961) - (Pdf - 77KB)
Das Bank- und Handelshaus der Welser, in Nürnberg und Augsburg ansässig, überlebte diese Finanzwirren nicht, die Staatsbankrotte in Spanien, Frankreich und den Niederlanden trieben diese in den Ruin. 1610/1614 enden die Nürnberger und Augsburger Handelsgesellschaften der Welser durch Zahlungsunfähigkeit (Falliterklärung). Ein bitteres Ende für diese Patrizierfamilie, die einst die Statthalterschaft über die spanische Überseeprovinz Venezuela (1528-1546/1556) einnahm und einen sehr erfolgreichen Weltfernhandel betrieb (Welser-Armada, Klein-Venedig). Eine faszinierende Geschichte...
Zeugbuch Maximilian I. - Hakenbüchse auf Hilfslafette, Innsbruck, 1502 - ©BSB-Hss Cod.icon. 222 - Die Hakenbüchse befand sich in verschiedenen Skalierungen im Einsatz. An der Schulter tragbar (Halbhaken), oder auch mit einer dreibeinigen Hilfslafette (Haken), konnte diese verschiedentlich eingesetzt werden. Zum Abfeuern der Waffe kamen unterschiedliche Zündmittel zum Einsatz. Zeugbuch Maximilian I. - Hakenbüchse auf Hilfslafette, Innsbruck, 1502 - ©BSB-Hss Cod.icon. 222 - Die Hakenbüchse befand sich in verschiedenen Skalierungen im Einsatz. An der Schulter tragbar (Halbhaken), oder auch mit einer dreibeinigen Hilfslafette (Haken), konnte diese verschiedentlich eingesetzt werden. Zum Abfeuern der Waffe kamen unterschiedliche Zündmittel zum Einsatz.
Ordo Militaris
Die übliche Schlachtordnung der Landsknechte war der Gevierthaufen. Dieser setzte sich aus mehreren Gliedern Landsknechten mit langen Spießen und Hakenbüchsen und einigen Fähnlein mit kurzen Wehren zusammen. Bereits 1496 befahl ein kaiserliches Aufgebot, dass ein Drittel der geworbenen Fußknechte mit Armbrüsten, ein Drittel mit Büchsen und ein Drittel mit Spießen und Hellebarden (Rossschinder) bewaffnet sein solle. Das Kriegsbuch des Philipp Mönch übermittelt hier beispielhaft eine [Schlachtaufstellung] vor/um 1496, die allerdings noch ein Reiterheer darstellt. Die Armbrust, ursprünglich eine verbreitete Waffe, trat aber mehr und mehr zurück und wurde von der Hakenbüchse, einem kurzen Gewehr (auch Handbüchse, Vorläufer: Handrohr), abgelöst. Der anwachsende Einsatz von Feuerwaffen beeinflusste nicht unwesentlich das Absinken des Kampfwertes der Eidgenössischen Reisläufer in kommenden Auseinandersetzungen mit dem Reich (I. Italienkrieg).
 
Regiment
Organisatorisch kannte man als größten Verband das Regiment, 4.000 bis 6.000 Mann stark, dieses zergliederte sich dann auf zehn bis fünfzehn Fähnlein, die sich jeweils aus 400 Mann zusammensetzten. Das Fähnlein wiederum zerfiel in einzelne Rotten, der kleinsten Einheit des Landsknechtverbandes. Eine Rotte umfasste zehn gleichbewaffnete Landsknechte oder sechs Doppelsöldner, angeführt von einem Rottmeister.
In der Schlacht wurde das Regiment dann in drei Haufen aufgeteilt, als Vorhut der "Verlorene Haufen", dieser galt als Selbstmordkommando, dann der "Gewalthaufen" mit 2.000 bis 3.000 Mann in rechteckiger Formation (Heller Haufen), abschließend die "Nachhut".
Zeugbuch Maximilian I. - Handbüchse (Halbhaken) mit Schwammschloss (!), Innsbruck, 1502 - ©BSB-Hss Cod.icon. 222 Zeugbuch Maximilian I. - Handbüchse (Halbhaken) mit Schwammschloss (!), Innsbruck, 1502 - ©BSB-Hss Cod.icon. 222
Fähnlein
Das Fähnlein zergliederte sich normalerweise in mehrere Waffenarten. Die Hauptwaffe stellte die 5-6 Meter lange Pike (Spieß, Lanze) dar, der Kern des Fähnleins setzte sich somit aus Pikenträgern zusammen. In Summe umfasste dieser dann 300 Mann. Zu diesen stießen dann noch 100 Doppelsöldner, die eine Hälfte war mit Arkebusen ausgerüstet, die andere Hälfte mit Zweihändern (Bidenhänder, Schlachtschwert) oder Helmbarten (Halbarten). Gegen Ende des 16. Jhdts. begann die Zahl der Pikenträger dann zu sinken, die Feuerwaffen gewannen zunehmend an Wert. Lange Zeit waren etwa 10 Prozent der Truppen mit Luntenschloßgewehren in zwei unterschiedlichen Ausführungen ausgerüstet, mit der leichten Arkebuse und der schwereren Muskete mit größerem Kaliber, die zum Feuern auf einer Gabel (Zwille), abgestützt werden musste. Um 1596 waren dann noch 200-220 Pikenträger in den einzelnen Fähnlein anzutreffen.
 
Das Waffenspektrum umfasste somit die Pike (Spieß, Lanze), das Schlachtschwert, die Helmbarte oder Halbarte, den Katzbalger oder Mangler (Römisches Schwert), den Dolch und die Arkebuse (Halbhaken), früher die Armbrust und ferner den Langbogen. Eingesetzte Schutzausrüstung: Kettenhemd/-kragen (Mußzeug) oder Ringkragen und leichte knechtische Rüstung - Halbharnisch - dazu noch die Hirnhaube und weiteres leichtes Rüstzeug (Armzeug und Panzerfäustlinge). Im Lauf der Zeit setzte sich eine Vereinheitlichung der Ausrüstung durch, die zentralisierte Beschaffung begünstigte dann eine Massenfertigung (Zeughäuser).
Ausschnitt Arkebusiere mit Halbhaken - Albrecht Altdorfer, Triumphzug Kaiser Maximilians, aus der Szene: Die Knechte, der Wagenburgmeister und der Beginn der Wagenburg. Entstehungsjahr um 1513–1515, Grafische Sammlung der Albertina in Wien. Ausschnitt Arkebusiere mit Halbhaken - Albrecht Altdorfer, Triumphzug Kaiser Maximilians, aus der Szene: Die Knechte, der Wagenburgmeister und der Beginn der Wagenburg. Entstehungsjahr um 1513–1515, Grafische Sammlung der Albertina in Wien.
Befehlskette (um 1500)
Der Oberste Feldhauptmann, oder nur Feldhauptmann, bildete die höhere Führungsebene und befehligte in der Regel mehrere Regimenter. Als Regimentskommandeur ist der Feldobrist überliefert, der Locotenent übernahm in dessen Abwesenheit die Regimentsführung. Etatmäßig bekleidete dieser die Dienststellung eines Hauptmanns mit Sonderaufgabe. Danach setzte sich die Befehlskette zu den Hauptmännern der einzelnen Fähnlein fort.
 
Regimentschargen und monatliche Besoldung um 1507
Feldobrist
- 400 Gulden , Locotenent - 100 Gulden , Kaplan - 12 Gulden , Schreiber - 24 Gulden , Wachtmeister - 40 Gulden , Quartiermeister - 40 Gulden , Proviantmeister - 40 Gulden , Feldscher - 40 Gulden , Feldarzt - 40 Gulden , Trommelschläger - 8 Gulden , Pfeifer - 8 Gulden , Dolmetscher - 8 Gulden , Koch - 8 Gulden , Trabanten (8 Doppelsöldner) - jeder 4 Gulden , Hurenweibel - 12 Gulden , Fuhrknecht - 4 Gulden.
 
Fähnleinchargen und monatliche Besoldung um 1507
Hauptmann
- 40 Gulden , Leutnant - 20 Gulden , Fähndrich - 20 Gulden , Kaplan - 8 Gulden , Feldweibel - 12 Gulden , Führer - 4 Gulden , Fourier - 4 Gulden , 2 Weibel - jeder 4 Gulden , 2 Trommelschläger - jeder 4 Gulden , 2 Pfeifer - jeder 4 Gulden , 2 Trabanten (Doppelsöldner) - jeder 4 Gulden , Dolmetscher - 4 Gulden , Hauptmanns Junge - 4 Gulden , Fähndrichs Junge - 4 Gulden , Hauptmanns Koch - 4 Gulden , Reisiger Knecht - 4 Gulden.
Der Doppelsöldner in der Linie erhielt 8 Gulden, der reguläre Landsknecht 4 Gulden.
Die Kosten für ein einzelnes Regiment betrugen zu dieser Zeit in Summe 34.624 Gulden je Monat, bei einer Mindestkontraktzeit von sechs Monaten - Krieg führen war teuer! Interner Link: [Münzwesen]
[Aus: Kriegsbilder der deutschen Landsknechte von Zwiedeneck-Südenhorst]
Disziplin
Georg v. Frundsberg überliefert in seinen Kriegsbüchern eine vorzügliche Gesamtübersicht über die Ämter der Landsknechte. Im inneren Dienstbetrieb ergänzten sich die Chargen wie folgt - Feldweibel: Drill und Gefechtsformation; Gemeinweibel: Disziplin, Verbindungsglied zwischen Offizieren und Mannschaften; Profoss: Zuchtmeister und Scharfrichter (Schwert u. Strang). Der Profoss trug eine herausgehobene blutrote Montur, die ihn von allen anderen optisch unterschied.
 
Kriegsartikel
Die dargestellte strenge Hierarchie gewährleistete das notwendige Maß an Gehorsam und Disziplin, sofern es nicht zu einem Ausfall der Kommandostruktur kam. Jeder angeworbene Landsknecht wurde auf die Kriegsartikel eingeschworen, Vergehen wurden hart bestraft. Das "Gericht der langen Bank" und das "Recht der langen Spieße" standen für die Rechtspflege im Regiment. Für die Justiz waren in jedem Regiment verantwortlich: der Schultheiss, der Profoss und der Gemeinweibel. Kam es zum Verrat gegen den Kriegsherrn, drohte der Tod. Als ehrenvoll galt die Hinrichtung durch das Schwert, bei Mord und anderen gemeinen Verbrechen wurde der Verurteilte aufgehängt, bei besagtem Verrat auch gerädert oder gevierteilt. Das erwähnte Recht der langen Spieße konnte von den Landsknechten selbst eingefordert werden, der Verurteilte musste durch die eisenstarrende Gasse gehen und wurde dort getötet. Dieses Ritual war vom Ehrbegriff erfüllt und spiegelte durchaus eine Geisteshaltung wieder. Nach dem Tod des "armen Mann" gedachten die Landsknechte mit einem Gebet der verlorenen Seele und ehrten diese mit drei Ehrensalven. Der Oberst dankte diesen dann für die ehrliche Haltung der Soldaten.
Hinrichtung des Hauptmanns von Kufstein (Nr. 110 aus Weißkunig) - Hans Burkmair d.Ä. (1473) - DHM, Inventarnr. Gr 90/793.3; coloriert: ©www.heimat-kufstein.at Hinrichtung des Hauptmanns von Kufstein (Nr. 110 aus Weißkunig) - Hans Burkmair d.Ä. (1473) - DHM, Inventarnr. Gr 90/793.3; coloriert: ©www.heimat-kufstein.at
Artikelbrief oder Kriegsartikel
"Der erste bekannte Artikelbrief stammt von Kaiser Maximilian I. aus dem Jahr 1508. Etwaige Strafbestimmungen wurden in diesem jedoch noch nicht aufgeführt. Eine Bestrafung bei Verletzung der militärischen Pflichten erfolgte nach freiem Ermessen der Heerführer. Im Artikelsbrief Kaiser Ferdinand I. von 1527 finden sich aber bereits neben einer genauen Anführung der Soldatenpflichten auch Strafnormen für die häufigsten Delikte wie Desertion, Diebstahl, Ungehorsam und Feigheit vor dem Feind. Einen Fortschritt bedeuteten die Kriegsartikel Kaiser Maximilians II. Ihre drei Abschnitte umfassten Vorschriften über Reiterbestallung, die Fußknechtbestallung sowie über die Abhaltung des Reiterrechts. Wegen ihrer Wichtigkeit wurden diese Artikel im Jahr 1570 auf dem Reichstag zu Speyer zum Reichsgesetz erhoben." [Erben, Ursprung und Entwicklung der deutschen Kriegsartikel, Innsbruck 1900, S. 42 ff.; 51 f.; Mayer-MalyAus Österreichs Rechtsleben in Geschichte und Gegenwart, Universität Salzburg, 1981, S. 527 ff.]; [DHM]; [Heimatverein-Kufstein]
Doppelsöldner nach Hans Burgkmair in leichter, knechtischer Rüstung: Paul Guterding - mit knechtischem Halbharnisch, Hirnhaube, Katzbalger und Zweihänder, auch Bidenhänder genannt - um 1520/30 - ©gemeinfrei Doppelsöldner nach Hans Burgkmair in leichter, knechtischer Rüstung: Paul Guterding - mit knechtischem Halbharnisch, Hirnhaube, Katzbalger und Zweihänder, auch Bidenhänder genannt - um 1520/30 - ©gemeinfrei
Soziales Gefüge
Bei genauerer Betrachtung ergab sich hier ein vielschichtiges Gebilde, das herausgelöst aus der noch mittelalterlich geprägten ständischen Gesellschaft einen eigenen Lebensraum gestaltete. Unter der Hellebarde oder dem Spieß gab es anfänglich keine Standesdünkel, im Kampf war man gesellschaftlich gleichgestellt. Erst später wurden in der prima plana (dem ersten Blatt der Werbung) die Knechte der Adels- und Patrizierfamilien getrennt aufgeführt. Im zweiten Blatt folgten dann die freigeborenen Handwerker. In den Anfängen der Landsknechtzeit war es zudem gar nicht so einfach angeworben zu werden. Entsprechende Qualitätsansprüche wurden hoch angesetzt, Gesundheit und guter Ruf bei der Musterung geprüft. Gaunern und Betrügern wurden bei nachgewiesener Falschaussage, oder einem versuchten Ausrüstungsbetrug, kurzerhand die Nasen abgeschnitten! Das ersehnte Durchschreiten eines Spießjoches entschied dann über die Annahme.
 
Rollten die dumpfen Trommeln der Werbekommandos dann durch das Land, strömten die Männer herbei, erstaunlicherweise in größerer Zahl wie benötigt. Das Zeugnis über den anständigen Lebenswandel vorzeigbar, die körperliche Leistungsfähigkeit ansehbar, wohl gerüstet in Wehr und Waffen, stellte sich der Kriegswillige dem Werbekommando vor. So mancher Aspirant verkaufte seine gesamte Habe um sich mit guter und anerkannter Wehr vorteilhaft in Szene setzen zu können, um überhaupt angeworben zu werden. Der Einsatz als Doppelsöldner war das Maß aller Dinge, diese besonders gut ausgerüsteten Landsknechte mit "gantzen Armschienen oder pantzer ermblem" wurden in die erste Reihe gestellt und sollten mit Hellebarden oder Zweihändern Breschen in die gegnerische Formation schlagen. Deutsche Landsknechtführer bevorzugten diese Aufstellung, um so einem Zusammendrücken und Aufspießen der ersten Kampflinien entgegenwirken zu können. Ein damaliger "Meister vom langen Schwert" war in der anspruchsvollen Handhabung des monströsen Schlachtschwerts virtuos eingeführt und konnte in der Regel eine langwierige Ausbildung und hohe Kampferfahrung vorweisen.
Zur sozialen Zusammensetzung der Landsknechttruppen lässt sich feststellen, dass diese naturgemäß aus allen Bereichen der unteren und mittleren Bevölkerungsschichten entstammten. Arme Bauersöhne und Hofknechte, wie auch Handwerker, suchten ihr Glück im Kriegsdienst. Der Unterdrückung durch Grundherren, oder den strengen Gesetzen der Zunftordnung, wurde so ausgewichen, eine vorherrschende Trostlosigkeit in Armut durch das vermeintliche Kriegsglück eingetauscht. Guter Sold und ein leichtfertiges Leben lockten verführerisch, und wie der Chronist Sebastian Franck überliefert: "Wenn der Teufel Sold ausschreibt, so fleugt und schneit es zu wie die Fliegen im Sommer, dass sich doch jemand zu Tod verwundern möchte, wo dieser Schwarm nur herkam und sich den Winter über erhalten hat."
Der oberdeutsche Raum (Schwaben und Tirol) stellte dann den Großteil der Landsknechte, das rechte Rheinufer von Feldkirch bis Bregenz bildete in der Überlieferung das "Landsknechtslandel" und Feldkirch selbst wurde das "Offiziersstadel" genannt.
Reichsritter Franz v. Sickingen (1481-1523). Reiterführer zur Zeit Georgs v. Frundsberg, Verteidiger des Ritterstandes und seiner traditionellen Lebensweise - ©gemeinfrei Reichsritter Franz v. Sickingen (1481-1523). Reiterführer zur Zeit Georgs v. Frundsberg, Verteidiger des Ritterstandes und seiner traditionellen Lebensweise - ©gemeinfrei
Ritter als Landsknechte
Als gesellschaftliche Verwerfung kann dann der Eintritt von verarmten Adeligen in den Landsknechtdienst bewertet werden (Ziel: Doppelsöldner). Vielfach mussten sich diese an der Hellebarde oder Lanze erst bewähren, die Bruderschaft - der Orden - blieb hier standhaft, untereinander war man sich "noch" gleich.
 
Der bekannte Übertritt von Eitel Friedrich II. (Eitelfritz), Graf von Zollern, zu den Landsknechten und sein Tausch des ständischen Ritterspeers mit dem Landsknechtspieß war dann für die damalige Zeit eine Sensation, gar bahnbrechend. 1487 drillte der Graf in den Straßen von Brügge (Burgund) deutsche Landsknechte nach neuem Reglement (Ordonnanz). Mit der Aufgabe des traditionellen Ideals eines ritterlichen Einzelkämpfers trat hier dann eine militärhistorische Wende ein, der Hochadel reagierte auf die taktischen und technischen Neuerungen auf dem Schlachtfeld. Nun gab es kein Halten mehr, der Kriegswandel zum einfachen Massenaufgebot war nicht mehr aufzuhalten. Das den ersten Landsknechten nachfolgende Söldnertum mit all seinen grausamen Facetten, brach sich nun eine Bahn.
  
Der Ritterkrieg von 1521/22 beseitigte die letzten Reste eines noch vorhandenen Rittertums (genauer: Raubrittertums), der adlige Kämpfer befand sich nun in einer tiefen Daseinskrise. Der Lebensweg des Reichsritters Franz v. Sickingen zeigt die letzten Versuche auf, die Reichsritterschaft gegen die mächtigen Landesherren zu positionieren.
 
Weitere Info:
Adobe "Zollern, Eitel Friedrich II., Graf von", in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959) - (Pdf - 49 KB)
Adobe "Sickingen, Franz von", in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010) - (79 KB)
Entgleisungen
Die Plünderung Roms (Sacco di Roma, 1527) durch kaiserliche Soldtruppen unter dem Kommando von Karl v. Bourbon lässt die zeitweilige Tendenz dieser Berufskrieger zu Exzessen bereits deutlich erkennen. Allerdings standen die 12.000 deutschen Landsknechte vor Rom noch in Zucht und Ordnung, während italienische und spanische Truppen bereits Plünderungen durchführten. Für die "reformierten" deutschen Landsknechte dürfte dieses Spektakel aber sicherlich einen besonderen Reiz dargestellt haben.
Der Wandel des Kriegswesen
Neue Techniken und Mittel
Schlachtaufstellung vor 1496 - Bild: Kriegsbuch (1496) - Philipp Mönch - Reiterheer mit Armbrüsten und ausgerichteten Spießen, Fußvolk mit Spießen, Hellebarten und Handfeuerwaffen in drei getrennten Gruppen aufgestellt, dazwischen die Geschütze auf Räderlafetten. Begleitet wird der Zug von vier berittenen Fanfarenbläsern und vier Spielleleuten mit Trommeln und Flöten - ©Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 126, fol. 042v. Schlachtaufstellung vor 1496 - Bild: Kriegsbuch (1496) - Philipp Mönch - Reiterheer mit Armbrüsten und ausgerichteten Spießen, Fußvolk mit Spießen, Hellebarten und Handfeuerwaffen in drei getrennten Gruppen aufgestellt, dazwischen die Geschütze auf Räderlafetten. Begleitet wird der Zug von vier berittenen Fanfarenbläsern und vier Spielleleuten mit Trommeln und Flöten - ©Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 126, fol. 042v.
Bereits in den Burgunderkriegen wurde der massive Einsatz der Artillerie praktiziert, die Burgunder konnten diesen Vorteil aber noch nicht nutzen. 1476 erlitten diese bei Grandson eine erste schwere Niederlage gegen das Fußvolk der Eidgenossen, 419 Feldgeschütze wurden von diesen erbeutet.
 
Die Schweizer Gewalthaufen mit ihrer neuen Spiesstaktik konnten von der schweren Reiterei nicht mehr aufgebrochen werden, die Schlacht bei Grandson ging dann auf Grund weiterer taktischer Fehler für Burgund verloren. Zu Pferd und im Fußkampf waren die Ritter zudem in ihren schweren Kompositpanzern benachteiligt, gegen massierte Kampfhaufen mit Stangenwaffen - lange Hellebarden mit Haken und Spitzen - nahezu hilflos. Am Boden angelangt wurden die ritterlichen Kämpfer durch Rüstungsritzen erstochen oder mit der Axt und dem Kriegshammer aufgebrochen. Ein blutiges Geschäft, eine sichere Identifizierung der Erschlagenen war dann vielfach nicht mehr möglich, auch wenn die leblosen Körper noch unzerteilt auf dem Schlachtfeld lagen. Der Mensch wurde zu einer blutigen Masse zerschlagen und gnadenlos bis auf die Haut ausgeplündert, gegen Adelsaufgebote kämpfte der einfache Kriegsknecht mit unerbittlicher Härte und hoher Motivation.

Verschärfung der Kriegsordnung
Mit der Verabschiedung der neuen Kriegsordnung vom 18. März 1476 [1] wurde der taktische Rahmen des Eidgenössischen Fußvolkes enger geschnürt, eine verstärkte Zusammenarbeit und Ordnung der Gewalthaufen auf dem Schlachtfeld sollte nun die totale Vernichtung der gegnerischen Streitmacht ermöglichen. Eine Gefangennahme edler Ritter zur Pressung von Lösegeld wurde zum Beispiel generell untersagt, nichts sollte den Schlachtverlauf mehr gefährden. Mit dieser Maßnahme wurde faktisch das Todesurteil über den Ritterstand und seine traditionelle Kampfweise ausgesprochen. Wer sich nicht mehr wehren konnte, wurde an Ort und Stelle ausnahmslos niedergehauen.
 
[1] Diese Kriegsordnung wurde nach der Schlacht von Grandson (2. März 1476) auf dem "Tag von Luzern" am 18. März 1476 vereinbart und ist dem "Basler Abschied" [= Abschlußprotokoll] des Tages von Luzern als Beilage angebunden.
Deutschsprachige Literatur des Mittelalters.
Schlacht von Towton (29. März 1461), Yorkscher Sieg über das Haus Lancaster. Bild: Richard Caton Woodville's; 27. Juli 1922, ©gemeinfrei Schlacht von Towton (29. März 1461), Yorkscher Sieg über das Haus Lancaster. Bild: Richard Caton Woodville's; 27. Juli 1922, ©gemeinfrei
Kampf bis zum bitteren Ende
Eine realistische Einschätzung zum Geschehen einer mittelalterlichen Schlacht ermöglicht die ehemalige englische Kampfstätte von Towton. Im Verlauf der englischen Rosenkriege trafen am 29. März 1461 die Heere der beiden Adelshäuser York und Lancaster im dortigen Yorkshire aufeinander. Im Gegensatz zu den zumeist nur schriftlich überlieferten Schlachten konnten hier anhand von Leichenfunden (Massengräber) forensische Untersuchungen durchgeführt werden, die ein verheerendes Verletzungsbild bei den Getöteten ergaben. Als katastrophal erwies sich hier die Absprache der beiden Parteien, im Feld keine Gefangenen zu machen - "no quarter would be given nor asked!". Innerhalb eines Tages wurden nahezu 30.000 Kämpfer erschlagen, die meisten während der Verfolgung nach der Schlacht. Die in gotischer Plattenpanzerung angetretenen Ritterschaften dezimierten sich hier auch im Fußkampf, die nachgewiesenen Verletzungsbilder verweisen auf einen brutalst möglichen Einsatz von Schwert, Kriegsaxt, Streitkolben und Streithammer (mit Schlagdorn), Spieß und zusätzlichem Pfeilbeschuss. Erstaunlicherweise konnten an den Skeletten auch mehrfache tödliche Verwundungen nachgewiesen werden, der Gegner wurde hier regulär abgeschlachtet. Abtrennungen großflächiger Schädelbereiche, des gesamten Kiefers, Zertrümmerungen des Brustkorbs, Gliedmaßenverlust und Stichverletzungen durch den Stoßsporn der Kriegsaxt oder Hellebarde eröffnen ein weites Feld der dort angewendeten Waffentechnik. Im Gedränge der ersten Gefechtslinie prasselten dann Hiebe und Stiche auf die Rüstungen, der Einsatz des Schildes verbot sich aufgrund der räumlichen Enge. Über die Verletzten und Gefallen hinweg fluktuierte die Gefechtslinie dann mit wechselndem Verlauf, wer am Boden angelangt war konnte dieser Falle in der Regel nicht mehr lebend entkommen. Generell wurden Treffer im Bereich von Kopf, Gesicht und an Rüstungsritzen angestrebt (Mußzeug, Geschübe). Der Mensch wurde hier sprichwörtlich durch einen Fleischwolf gedreht, eine physische wie psychische Hölle für alle Beteiligten. Die robuste Konstitution dieser durchtrainierten Berufskrieger überrascht durchaus, die Schlacht fand bei winterlichen Temperaturen und starkem Wind statt und wurde hüfthoch im Wasser stehend im zum Fluss angeschwollenen Bach "Coch Beck" fortgesetzt.
Weitere Info: WEB - TOWTON BATTLEFIELD SOCIETY
Nach der Schlacht
Das "Abkeulen" des Schlachtfeldes stand hier im wahrsten Sinn des Wortes für das Töten der Schwerverletzten, eine durchaus gängige Praxis dieser Zeit. Nach dem Todesstoß konnte das Opfer auch besser geplündert und nackt zurückgelassen werden. Manch totenstarre Hand oder sperriges Glied musste sonst gebrochen und die Rüstung mit Mühe heruntergezerrt werden. Ein noch beweglicher Körper barg hier Vorteile, schnell und behend ging es dann zur Sache, allzu viel Zeit konnte ja nicht aufgewendet werden. Alles von Wert wurde zusammengetragen, das Schlachtfeld nahezu abgeweidet. Aufgefundene Knochen ließen später auf Wildverbiss und Verschleppung schließen, vielfach verwesten Körper auf freiem Feld. "Homo homini lupus." - Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.
 
Direkte Auswirkungen
Nahezu katastrophale Ausmaße nahm dann kurz darauf die Schlacht von Murten an. Innerhalb weniger Stunden wurden 10.000 Burgunder, darunter die Blüte des burgundischen Adels, von den Eidgenossen erschlagen, das Herzogtum in seinen Grundfesten erschüttert. In ihren Folgen kann diese Schlacht mit der Katastrophe bei Azincourt (1415) verglichen werden [Jean de Wavrin (Pdf, 1MB)]. Spätestens nach Murten hatte sich das in den Schweizer Habsburgerkriegen erprobte Eidgenössische Fußvolk auf dem Schlachtfeld entscheidend durchgesetzt, obwohl die ritterlichen Heere hier Tausende von Bogenschützen und Artillerie zum Einsatz brachten. In der Schlacht bei Nancy, am 5. Januar 1477, wurde abschließend das Burgundische Finale ausgefochten, 5.000 Burgunder und Herzog Karl der Kühne kehrten aus der Schlacht nicht zurück.

Ironie des Schicksals
Das burgundische Heer (Söldnerheer) galt zu dieser Zeit als der Inbegriff der Modernität, eine vorbildliche Korpsstruktur, schwere Panzerreiter, bewegliche Artillerie in Feldlafetten, sowie englische Bogenschützen fanden dort Verwendung. Auf dem Tag zu Trier 1473 überreichte Herzog Karl der Kühne dem kaiserlichen Prinzen Maximilian noch stolz eine eigens für diesen mit Initialen und Wappen angefertigte "Große Burgundische Ordonnanz" (Kriegsordnung). Der burgundische Herzog kann durchaus als intelligent und feinsinnig beschrieben werden, mit einem ausgeprägten Hang zur persönlichen Tapferkeit. Er beeinflusste nicht unwesentlich die persönliche Entwicklung Maximilians zum Herrscher, eine gewisse Sympathie und Verbundenheit zur burgundischen Ritter- und Hofkultur durcheilte hier Raum und Zeit. Der Untergang dieses so glänzenden Heeres musste unweigerlich Nachwirkungen auslösen, die adligen Ritter kapitulierten letztlich vor der Masse der Gewalthaufen.
Die Flucht Karls des Kühnen vom Schlachtfeld bei Murten - Das blutige Ende eines der glänzendsten Heere seiner Zeit - Gemälde: Eugene Burnand (1850-1921) - ©gemeinfrei
Die Flucht Karls des Kühnen vom Schlachtfeld bei Murten - Das blutige Ende eines der glänzendsten Heere seiner Zeit - Gemälde: Eugene Burnand (1850-1921) - ©gemeinfrei
Wappen Österreich-Burgund (1477) - Bild: Ipankonin Wappen Österreich-Burgund (1477) - Bild: Ipankonin
Spätfolgen
Durch die Verheiratung von Erzherzog Maximilian v. Österreich mit Maria v. Burgund (1477) fiel das umstrittene Burgundische Erbe an Habsburg.
Kurz nach der Vermählung eröffnete das Königreich Frankreich die Kampfhandlungen gegen Maximilian v. Österreich [Burgundischer Erbfolgekrieg]. Eine von Maximilian beabsichtigte kriegerische Beteiligung des Reiches gegen Frankreich wurde von seinem Vater, Kaiser Friedrich III., mit Nachdruck verhindert, der Aufruf zur Bildung des Reichsaufgebotes von diesem kassiert. Erst 1488 kam es im Zusammenhang mit der Gefangennahme Maximilians durch aufständische Burgunder zu einer kriegerischen Beteiligung des Reiches (Reichshilfe). Der Vertrag von Senlis beendete 1493 den Burgundischen Erbfolgekrieg.
Der ständige Zuzug starker Kontingente der Innerschweiz in das französische Heer entwickelte sich dann zunehmend zum Ärgernis, die Eidgenossen dienten sich hier beiden Seiten an. Ein unhaltbarer Zustand, der auf Dauer nicht toleriert werden konnte. Eine verstärkte Anwerbung deutscher Landsknechte und die Bildung des Schwäbischen Bundes (1488) verschlechterte dann nochmals das schon kritische Verhältnis zu den Eidgenossen, mit den bekannten Folgen...
Kaiser Maximilian I. - Reiter Portrait von Hans Burgkmair dem Älteren (1473-1531), 1508 - ©gemeinfrei Kaiser Maximilian I. - Reiter Portrait von Hans Burgkmair dem Älteren (1473-1531), 1508 - ©gemeinfrei
Erkenntnisse
Unter dem Eindruck der burgundischen Niederlagen erkannte der spätere König und Kaiser Maximilian I. v. Habsburg die Notwendigkeit zur Änderung der bisherigen Kriegsstrategie, bald darauf traten die deutschen Landsknechte aus Schwaben und Tirol in das Licht der Welt. Allerdings musste die süddeutsche Ritterschaft und der Schwäbische Bund in der finalen Schlacht bei Dornach-Dorneck (1499) noch eine vernichtende Lektion gegen die Eidgenossen einstecken, der berühmte Tropfen der das Fass nun endgültig zum Überlaufen brachte.
 
Es benötigte dann keiner weiteren Anstöße mehr, wenn der mit Stolz und Sturheit geschlagene Adel mit seinen Aufgeboten nicht unter den Hellebarden der Eidgenossen enden wollte, musste nun etwas geschehen. Selbst König Maximilian zeigte seinen Unmut: "...mit solcher Kriegsführung, klagte er, verderben wir uns selbst und werden alle zu Schanden; es ist das elendeste Ding; es ist, als würfen wir das Geld in die See... [Kriegskosten]."
Erste Verbesserungen konnten dann 1504 im bayerischen Erbfolgekrieg, oder auch Landshuter Erbfolgekrieg, auf dem Schlachtfeld erprobt werden (Schlacht von Wenzenbach). Georg (Jörg) v. Frundsberg führte dort ein gut gedrilltes Landsknechtregiment (Memminger Aufgebot), unterstützt durch Feldschlangen und Arkebusiere, an entscheidender Stelle zum Sieg. Er wurde für seinen dortigen Erfolg von König Maximilian zum Reichsritter erhoben - RI XIV,4,1 n. 19134, in: Regesta Imperii Online
Berner Münster, Chorfenster, zw. 1441 und 1455: Ritterlicher Bannerträger mit der Reichssturmfahne, hier mit doppelköpfigem Adler (mit dem roten Wimpel, der sich aus der Kreuzfahrerfahne herleitet) - ©CC BY 3.0 - Andreas Praefcke Berner Münster, Chorfenster, zw. 1441 und 1455: Ritterlicher Bannerträger mit der Reichssturmfahne, hier mit doppelköpfigem Adler (mit dem roten Wimpel, der sich aus der Kreuzfahrerfahne herleitet) - ©CC BY 3.0 - Andreas Praefcke
Fazit
Die Lehensverfassung hatte sich sowohl in den englisch-französischen Kriegen als auch nachfolgend, namentlich in den Hussitenkriegen (Wagenburgen), bereits als vollständig unfähig erwiesen, die Landesverteidigung zu übernehmen oder einen Angriffskrieg zu eröffnen. Das Söldnertum fand dadurch eine allgemeine Verbreitung, die steigende Souveränität der Landesfürsten und die fiskalen Möglichkeiten begünstigten den Aufbau von frei verfügbaren Kriegskontingenten. Der geworbene Fußknecht war nun des Fürsten Knecht geworden und fand darin ein Gegengewicht gegen die anmaßende Ritterschaft, die außerdem, wie schon geschildert, nicht mehr auf das Fußvolk verzichten konnte (Ordonnanz-Kompanien, Burgund u. Frankreich). Bereits 1422 wurde im Deutschen Reich eine Hussitensteuer ausgeschrieben, mit der zahlreiches Söldnervolk zu Fuß und zu Pferd angeworben wurde. König Matthias Corvinus von Ungarn nutzte dieses frei verfügbare Potential dann sehr effektiv zur Kriegsführung, die Habsburger gerieten hier unter starken Zugzwang.
 
Gegen Ende des 15. Jahrhunderts waren dann die drei Waffenarten, Infanterie, Kavallerie und Artillerie in ihrer jeweiligen Ausbildung und Anwendung gefestigt, bereits 1528 wird die beispielhafte Aufteilung der Waffenarten von einem deutschen Schriftsteller genauer gefasst: "Wenn ein Herr will auff ein Krieg legen 300.000 florin, So soll er rechnen die ain hunderttausend auf der Raysigen Zeug und das ander hunderttausend auff die Artalerey und die letzten hunderttausend auff die Fußknecht." Die geschilderte Gewichtung mutet schon nahezu modern an.
Wappen Maximilians I. v. Habsburg, als römisch-deutscher König - ©CC BY-SA 3.0 - Rs-nourse Wappen Maximilians I. v. Habsburg, als römisch-deutscher König - ©CC BY-SA 3.0 - Rs-nourse
Reichsheeresverfassung
Der von Kaiser Maximilian I. unternommene Vorstoß das burgundisch-österreichische Wehrsystem auf das Reich zu übertragen, und ein stehendes Reichsheer von ca. 50.000 Knechten und 10.000 Reitern in der Reichsverfassung zu verankern, scheiterte auf mehreren Reichstagen (1495, 1500, 1510, 1512, 1517). In einem Reichsheer wäre es den Rittern ermöglicht worden ihren Platz zu finden und so einer inneren wie äußeren Reichsdefension zu dienen. Einflussreiche Stellungen, feste Einkünfte, Macht und Ansehen wären diesen sicher gewesen, Maximilian dachte hier in größeren Bahnen. Diese Pläne fanden jedoch nicht die Unterstützung der Ritterschaft, sei es aus Unverständnis, sei es aus Furcht vor den großen fürstlichen Nachbarn. So wurde der Niedergang der Ritterschaft zum Teil von diesen selbst verschuldet. Nahezu alle Landesfürsten optierten gegen diese Pläne, da eine Zunahme der kaiserlichen Regierungsgewalt und dem Eingriff eines kaiserlichen Vollzugsrechtes innerhalb ihrer Länder nicht in deren Interesse lag. Die Reichsorganisation bildete stets ein Stückwerk, der Kaiser sollte schwach, die Landesfürsten mächtig bleiben [Reichsreform].
Quelle: Wiesflecker, Hermann: Kaiser Maximilian I. : d. Reich, Österreich u. Europa an d. Wende zur Neuzeit, Bd. 5. Der Kaiser und seine Umwelt : Hof, Staat, Wirtschaft, Gesellschaft u. Kultur. - 1986 [Leseprobe - Google-books].
Auf dem Reichstag zu Worms gelang dann die Verabschiedung des Reichsmatrikel von 1521, dort wurde der Bildung eines Truppenkörpers in Stärke von 20.063 Mann zu Fuß und 4.202 Reiter Rechnung getragen, die einzelnen Mannschaften, oder Aufwände, auf die Reichsstände verteilt - in Summe 51.269 Gulden. Der Wormser Matrikel von 1521 stellt eines der grundlegenden Gesetze für das Reich in der Frühen Neuzeit dar und behielt mehrfach modifiziert bis zum Ende des Reiches seine Gültigkeit. Er bildete die Grundlage für die Heeres- und Steuerkontingente der Reichsstände.
WEB: Universität Heidelberg - Faksimiles - Reichsmatrikel von 1521 - Anschlag zur Romzugshilfe in Truppen [...]
Literatur zum Einstieg
Keine Werbung
ISBN 978-3-89678-336-3
ISBN 978-3-89678-336-3
In rund 120 Artikeln und 11 Essays bietet Roland Pauler, Dr. phil. habil., ein griffiges Lexikon zum Alltag im Mittelalter. Vom Fehdewesen bis zur Schwangerschaftsverhütung, von der Traumdeutung bis zum Minnesang reicht dabei sein Themenspektrum. Die eingestreuten Essays stellen größere Themenkomplexe, wie Gesellschaft und Stand, Rechtspflege, Wirtschaft, Wohnverhältnisse oder Religion und Glauben ebenso kenntnisreich wie unterhaltsam dar.
ISBN 978-3-8252-8540-1
ISBN 978-3-8252-8540-1
Einführung für alle, die sich mit der Geschichte der Frühen Neuzeit befassen und einen umfassenden Einblick in diese Materie erhalten wollen. Orientierungswissen über die sozialen, politischen und kulturellen Entwicklungen der Epoche, mit zahlreichen Abbildungen, Karten und Übersichten. Hilfreiche Unterlage zur vielfältigen und komplexen Geschichte der Zeit zwischen Reformation und Französischer Revolution.
Einführung in die Frühe Neuzeit - ©Universität Münster
WEB-Projekt: Einführung in die Frühe Neuzeit
 
Universität Münster - Fachbereich Geschichte/Philosophie.
Lehrstuhl Frühe Neuzeit des Historischen Seminars der
Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
WEB-Projekt zur Geschichte der Frühen Neuzeit!
Fortsetzung: Zweiter Teil!
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