Die Schatten des Spätmittelalters
Die Unterdrückung der Bevölkerung und deren Auswirkungen
Wenn sich der heutige moderne und aufgeklärte Bürger mit den Lebensbedingungen der spätmittelalterlichen Bevölkerung auseinandersetzt, so wird er sich unweigerlich auch mit den Begriffen Herrschaft, Leibeigenschaft, Fronarbeit, Krieg und der Pest beschäftigen müssen. Der Kontrast zwischen dem Glanz und der Pracht der ritterlichen Herrschaft zur einfachen Bevölkerung könnte nicht entgegengesetzter ausfallen wie er uns zum Ende des Spätmittelalters in den historischen Quellen aufgezeigt wird. Beeindruckt von den künstlerischen und technischen Leistungen dieser Epoche vergessen wir allzu oft die Not und das Chaos, welches im bildlichen Sinne durch die vier apokalyptischen Reiter übermittelt wurde. Erhabene Stammbäume, edle Geschlechter, kirchlicher Prunk und profane Prachtbauten legten einen geschmeidigen Mantel des Vergessens über die Schattenseiten des Mittelalters. Dass in dieser Epoche auch Mord und Totschlag, Raub und Brandschatzung zum Alltag gehörten, wird uns nur nebensächlich vermittelt. Auch das Verhältnis der weltlichen, und vor allem der geistlichen, Herren zu ihren Leibeigenen und Zinsbauern bildete sich in mannigfaltigen Facetten ab und lässt uns heute den Begriff “Freiheit” unter neuen Gesichtspunkten sehen.

Die Freiheit bedarf der ständigen Verteidigung derselben, auch unter Einsatz von Waffen. Insoweit war es nicht verwunderlich, dass es dem gemeinen Mann im Mittelalter verwehrt war Waffen zu tragen und das Gewaltmonopol eindeutig beim Adel lag. Erst mit dem Aufkommen starker städtischer Gemeinwesen und ihren Zünften entwickelte sich eine bürgerliche Schicht, die sich selber verteidigen und vor allem selbst regieren konnte. Bedauerlicherweise führte diese Entwicklung zu einer Konstellation, in welcher sich die einfache Landbevölkerung einerseits dem Adel und der Geistlichkeit, andererseits den mächtigen Städten, gegenüber sah und als Unfreier auf die unterste Stufe des Feudalsystems zurückgeworfen war.

Die im Spätmittelalter feststellbaren gesellschaftlichen Veränderungen führten in Folge eines erhöhten Geldbedarfes der Nobilität zu einer massiven Unterdrückung der freien und zinspflichtigen Bauern und der Absicht, diese in die ungeliebte Leibeigenschaft zu zwingen. Das Verwehren althergebrachter und zugesicherter Rechte unter Einsatz von brachialen Mitteln wurde zur gängigen Praxis und innerhalb des weltlichen und geistlichen Adels zur alltäglichen Übung. Als abschreckendes Beispiel soll hier an den Abt von Kempten im Allgäu erinnert werden, der im Jahr 1423 durch nachweislichen Meineid und Urkundenfälschung seine freien Bauern in die Knie zwingen wollte und einen Aufstand auslöste.

In diesem Umfeld entstanden nun die ersten demokratischen Bestrebungen innerhalb der Bauernschaft mit dem Ruf nach Freiheit, die in der weiteren Folge zum ersten grossen Freiheitskrieg in Deutschland führten - dem Bauernkrieg. Dieser Krieg steht in seiner Wertigkeit an höchster Stelle und ist nicht mit dem badischen Volksaufstand von 1848 vergleichbar, ohne denselben in ungebührender Weise in seiner Wertigkeit zu schmälern. Die menschlichen Verluste waren im Bauernkrieg um ein Hundertfaches höher und die nachfolgenden Repressalien des Adels, der Kirche und der Städte stehen in keinem Verhältnis zu diesem. Eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte fand hier seinen Anfang und sein unrühmliches Ende.

Joss Fritz - Holzschnitt v. Albrecht Duerer - ©gemeinfrei

"JFritz"
* um 1470, + um 1525
Initiator der Bundschuhbewegungen in
Süddeutschland, zeitweise in Villingen wohnhaft.
Holzschnitt v. Albrecht Dürer
Wikipedia - Joß Fritz
Literatur:

Wilhelm Zimmermann - Der grosse deutsche Bauernkrieg
Berlin, Dietz-Verlag, 1993

Hiroto Oka - Der Bauernkrieg in der Landgrafschaft Stühlingen und seine
Vorgeschichte seit der Mitte des 15. Jahrhunderts
Dissertation - Universität Konstanz, 1995

WEB: Historische Hans Müller Gruppe Bulgenbach e.V.
©tz, thz-historia.de
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Bauersleute im Spätmittelalter - ©gemeinfrei
Bauersleute im Spätmittelalter - ©gemeinfrei




Armer Konrad und Bundschuh - ©gemeinfrei
Armer Konrad und Bundschuh - ©gemeinfrei




Bundschuh - ©gemeinfrei
Bundschuh - ©gemeinfrei




Freiheit - ©gemeinfrei
Freiheit - ©gemeinfrei




In Erinnerung an die Ereignisse am 8.5.1525 in Vöhrenbach. Hans Müller von Bulgenbach nach einem Kupferstich farblich gefasst von Maler Paul Przibilsky, Tiengen, im Jahre 1990. ©www.hans-mueller-bulgenbach.de
In Erinnerung an die Ereignisse vom 8. Mai 1525 in Vöhrenbach.
Hans Müller von Bulgenbach nach einem Kupferstich farblich gefasst von Maler Paul Przibilsky, Tiengen, 1990. ©www.hans-mueller-bulgenbach.de