Fürstenbergisches Kreismilitär
Das stehende Reichsheer - Miles perpetuus circuli
Einleitung
Nach der Zäsur des Dreißigjährigen Krieges bestätigte der Westfälischen Frieden von 1648 die Reichskreise als Reichsorgane und initiierte neue Impulse zum Aufbau einer Wehrverfassung im Reichskreis Schwaben. Einen Höhepunkt erreichte diese in der Formation eines Stehenden Heeres, das den Kreis "armierten Ständen" gleichstellte und in das Konzert der europäischen Mächte einfügte. Die auch im Frieden beibehaltene Kreismiliz erfuhr kurz vor Beginn des Polnischen Thronfolgekrieges eine letzte organisatorische Umgestaltung (1732), die bis zum Ende des Kreises gelten sollte.
Reichskreis Schwaben 1500/1512 bis 1806 - ©gemeinfrei Reichskreis Schwaben 1500/1512 bis 1806 - ©gemeinfrei
Im Gegensatz zu den Haustruppen und Heeren der großen absolutistischen Reichsstände waren die Kreistruppen der Wehrverfassung des Reichskreises unterworfen und konnten durchaus eine eigenständige Position innerhalb des Reichsheeres einnehmen. Als Grundlage diente der kaiserliche Rezess vom 27. Juli 1691 durch Kaiser Leopold I. v. Habsburg, der dem Kreis seine Verfügungsgewalt über die Truppen bestätigte. Der übertragene Wahlspruch auf den Fahnen der schwäbischen Regimenter von 1664 verwies hier dann auf das Selbstverständnis dieser Streitkräfte: "PRO ARIS ET FOCIS", altrömisch - für Altar und Herd, die Verteidigung des Vaterlandes gegen fremde Unterdrücker. In Folge traten hier allerdings anhaltende Kompetenzstreitigkeiten mit dem Reichskommando auf, die mehrfach zu ausufernden Rechtsfällen führten. Erst 1792 konnte mit dem erneuerten Reichsgutachten vom 14. April 1734 eine endgültige Regelung erzielt werden, die das Mitkommando der Kreise ausschloss. Ein wichtiger Punkt, der 1796 noch einmal für eine dramatische Entwicklung sorgte.
Die allgemeine Definition eines Reichskreises beschrieb dann [Johann Jakob Moser] sehr eingehend: "Ein Crays oder Reichs-Crays heisset in Teutschland eine gewisse Anzahl unter einer eigenen Verfassung besonders miteinander verbundener und meistens nebeneinander ligender Stände des Reiches oder auch der aus diser Stände Lande und Gebieten bestehende Bezirck." [Borck]
Reichskreis Schwaben
Historische Karten
icon jpg Karte: Circulus Suevicus... - von 1670 (1,5 MB); ©BSB-MDZ; Bayerische StaatsBibliothek
Grenadiere vom schwäbischen Kreis-Regiment Fürstenberg - 1735. Richard Knötel Uniformenkunde - ©gemeinfrei Grenadiere vom schwäbischen Kreis-Regiment Fürstenberg - 1735. Richard Knötel Uniformenkunde - ©gemeinfrei
Kreisbeschluss von 1732
Der Schwäbische Kreis stellte seit dem Kreisbeschluss von 1732, der die Reduktion des Triplums um ein Drittel der geforderten 12.048 Mann auf 7.944 Mann festsetzte, vier Infanterie-Regimenter, ein Kürassier- und ein Dragoner-Regiment sowie eine Artillerie-Abteilung. Jedes der vier Infanterie-Regimenter hatte im Frieden eine Stärke von 850 Mann. Bei den Kavallerie-Regimentern betrug diese 304 Mann. Im Kriegsfall, der die Verdopplung der Truppenstärke vorsah, zählte das Infanterie-Regiment 1.690 Mann zu zwei Bataillonen und eine Grenadierkompanie, das Kavallerie-Regiment 592 Mann zu vier Eskadronen (Triplum). Nach der Sprengung des Kreismilitärsystems (1796/99) stellte der Kreis mit Unterstützung englischer Subsidiengelder dann letztmalig im Jahr 1800 eigene Truppen auf (4 1/2 Simpla), diese umfassten dann 5.052 Mann, gegliedert in drei Infanterie-Regimenter mit 9 Bataillonen zu 30 Kompanien (ohne Württemberg). Eine Korpsstruktur mit Generalstab wurde nicht mehr errichtet, die Truppen operierten dann unter dem direkten Befehl des Reichsgeneralkommando. Einzelstärken der Regimenter: IR. Fürstenberg 2.278 Mann, IR. Königsegg 1.684 Mann, IR. Baden 1.090 Mann, teilweise unbewaffnet und unmontiert. Nach Ende des Feldzugs von 1800/01 hatten die drei Regimenter dann über 50% ihres ehemaligen Bestandes verloren (Reststärke Ende April 1801: 2.255 Mann).
Info!
Von den sechs Kreisregimentern, die nach der Umorganisation von 1731/32 bis zum Ende des Kreises bestehen blieben, waren vier Regimenter bereits im September 1683 aufgestellt worden. Im Jahre 1691 traten zwei neue, in den Jahren 1696 und 1701 je ein neues hinzu, so dass der Kreis im Spanischen Erbfolgekrieg acht eigene Regimenter besaß. [Storm]
Fürstenbergisches Kreismilitär
Als unmittelbarer Stand des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation stellte das Fürstentum Fürstenberg ein Militärkontingent zu den Reichstruppen des "Schwäbischen Reichskreises".
Fürstenbergischer Kürassier um 1780 - ©FFA-DS Fürstenbergischer Kürassier um 1780 - ©FFA-DS
Das Kontingent setzte sich aus Infanterie und Kavallerie zusammen, und verteilte sich seit 1732 auf vier Infanterie- und zwei Kavallerie-Kompanien.
Im Gegensatz zu anderen Reichständen wurde im Fürstentum Fürstenberg die geforderte Friedensstärke (Simplum) des Kontingentes - 191 Mann zu Fuß und 34 Reiter - effektiv unter Waffen gehalten. Diese Haustruppen wurden auch zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung (Landfrieden) herangezogen.
 
Die Kriegsstärke (Triplum) des Kontingentes betrug dann 380 Mann zu Fuß und 68 Reiter (nach 1732), konnte aber bei Bedarf durch einen Kreisbeschluss deutlich erhöht werden. Das Kontingent wurde dem Kreis-Kürassierregiment "Hohenzollern" und dem 2. Kreis-Infanterieregiment "Fürstenberg" zugeordnet, das sich zwischen den Jahren 1699 und 1705, und von 1724 bis 1803/06, im Besitz von Angehörigen des Hauses Fürstenberg als Regimentsinhaber befand. In diesen Zeiträumen war die schwäbische Adelsfamilie namensgebend für dieses Regiment.
Info!
Das Haus Fürstenberg kann wie so viele andere Adelsfamilien auf eine lange Militärtradition zurückblicken: "Haus Österreich schlägt keine Hauptschlacht, ohne dass ein Fürstenberg fällt!" [zeitgenössisches Kriegssprichwort]
Fürstenbergische Infanterie 1790/1796 - ©FFA-DS Fürstenbergische Infanterie 1790/1796 - ©FFA-DS
Im Verband der schwäbischen Kreis-Regimenter kämpfte das Fürstenbergische Kreiskontingent vormals, als Bestandteil der Reichsarmee, unter dem Kommando der berühmten Feldherren Markgraf Ludwig Wilhelm v. Baden-Baden [Link] und Prinz Eugen v. Savoyen gegen die Türken und Frankreich. Im Siebenjährigen Krieg gegen Preußen, in den Koalitionskriegen gegen die Französische Republik.
 
Trotz aller Mängel und Mankos in der Reichsarmee kämpften die Truppen im Feld recht tapfer und standhaft. Dies bezeugen die Berichte aus den einzelnen Feldzügen. Gegen die Berufsarmeen der europäischen Staaten konnten sie naturgemäß auf Dauer nicht bestehen.
 
Der militärischen Katastrophe in der Schlacht bei Roßbach (5.11.1757) können allerdings vergleichbare Erfolge entgegengesetzt werden. Im Gefecht von Maxen (20.11.1759) mussten 15.000 eingeschlossene Preußen vor österreichischen Regimentern und Reichstruppen die Waffen strecken - eine durchaus angemessene Revanche...
Das Ende
Nach Auflösung der schwäbischen Kreisorganisation, und der Mediatisierung Fürstenbergs durch den Mittelstaat Baden, wurde das Fürstenbergische Kontingent im Oktober 1806 zur Bildung des "Großherzoglich Badischen Linien-Infanterieregiment von Harrant Nr. 4" übernommen.
 
Interner Link: Fürstenberg und der Reichskreis Schwaben
Schwäbischer Reichskreis
Wehrpolitische Entwicklungen
  • "Innerliche Defension" (1648-1664)
  • "Eylige Hülf" (1664-1681)
        - Erste Armatur (1664);
        - Zweite Armatur (1672-1677)
  • "Miles perpetuus circuli" (1681-1732)
        - Dritte Armatur (1683-1688)
          Stehende Kreismiliz:
        - Pfälzischer Krieg (1688-1697)
          Assoziation der Kreise Franken u. Schwaben
        - Friedenszeit (1697-1701)
        - Spanischer Erbfolgekrieg (1701-1714)
        - Friedenszeit (1714-1732)
  • "Kreisbeschluss von 1732 (Kreiskorps)"
        - Reduktion des Triplums von 12.048 Mann auf 7.944 Mann
        - Kreiskorps: 4 Infanterie-Regimenter, 1 Kürassier- und 1 Dragoner-Regiment
        - Polnischer Thronfolgekrieg (1733-1738)
        - Friedenszeit (1738-1756)
        - Siebenjähriger Krieg (1756-1763)
        - Friedenszeit (1763-1792)
        - Koalitionskriege (ab 1792)
        - Kapitulationskonvention von Biberach (1796)
        - Feldzug von 1800/1801 (Festung Ulm)
        - Zusammenbruch der schwäbischen Wehrverfassung 1801
Nachtrag
 
©tz, thz-historia.de
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