Das deutsche Reichsheer 1521-1806
Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation
Albrecht Altdorfer, Triumphzug Kaiser Maximilians, Szene: Reichsbanner mit Herzschild Österreich-Burgund. Entstehungsjahr um 1513–1515, Grafische Sammlung der Albertina in Wien. Albrecht Altdorfer, Triumphzug Kaiser Maximilians, Szene: Reichsbanner mit Herzschild Österreich-Burgund. Entstehungsjahr um 1513–1515, Grafische Sammlung der Albertina in Wien.
Wehrverfassung
Für die Zeit des Bestehens des Deutschen Reichsheeres von 1521-1806 bildete die Wehrverfassung Karls V. (1500-1585) die Grundlage.
Sie erfuhr im Laufe der Jahrhunderte ihre Erweiterungen.
 
Da ein geschlossenes Reichsgebiet, aus dem ein eigenes Reichsheer geschöpft werden konnte, nicht vorhanden war, da zur Werbung eines stehenden Reichsheeres laufende Steuereinnahmen fehlten, war der Weg gewiesen, die Machtmittel der einzelnen Reichsstände zu vereinigen. Sie wurden hierzu in zehn Wehrkreise zusammengefaßt - der Obersächsische, der Niedersächsische, der Westfälische, der Fränkische, der Bayrische, der Burgundische, der Österreichische, der Oberrheinische, der Kurrheinische und der Schwäbische. -
 
Adobe Pdf Bilder des deutschen Wehrstandes: Baden und der schwäbische Kreis 1500-1800 von Guido Schreiber (Pdf - 18 MB)
Reichsregiment Fürstenberg - ©unbekannt Reichsregiment Fürstenberg - ©unbekannt
Die Stärken der einzelnen Wehrkreise - Reichsmatrikel genannt - wurden im Jahre 1521 auf dem Reichstag in Worms festgelegt. Danach betrug das deutsche Reichsheer eine Normalstärke - Simplum - von vierzigtausend Mann (12.000 Reiter, darunter 2.000 Dragoner, und 28.000 Fußvolk).
 
Der Reichstag konnte die Stärke des Heers vermehren. Im Jahre 1702 wurde sie auf das Dreifache - Triplum - mit 120.000 erhöht. Ende des 18.Jahrhunderts hatten einige Kreise ihre Wehr auf das Fünffache - Quintuplum - gebracht. Leichtes und grobes Geschütz, Ingenieurkorps, Brückengerät wurde von den Fürsten und Ständen nach besonderer Vereinbarung gestellt.

Schwäbischer Reichskreis, Truppenfahne - ©unbekannt Schwäbischer Reichskreis, Truppenfahne - ©unbekannt
Die Befehlsgewalt über das Reichsheer stand dem Kaiser zu.
Er ernannte in Übereinstimmung mit dem Reichstag für den Kriegsfall den Reichsfeldmarschall. In jedem Kreis stand an der Spitze der Wehrgeschäfte ein Direktorium. Als dessen Organ ein oder zwei “kreisauschreibende Fürsten” - in konfessionell gemischten Kreisen ein katholischer und ein protestantischer Fürst. Die Kreisstände, die alljährlich ihren Kreistag - Kreiskonvent - abhielten, ernannten den Kreisobersten als Befehlshaber ihres Kontingents. In der Regel führte er im Krieg und besichtigte im Frieden. Die Gestellung der den Kreisen auferlegten Zahl von Mannschaften erfolgte in Regimentern und Eskadrons. Größere Reichsstände hatten hierzu schon in Friedenszeiten geschlossene Einheiten unter den Waffen, denen sie die ihnen auferlegte Zahl für das Reichsheer entnahmen. Aber die Masse der kleinen und kleinsten Stände hatte, wenn überhaupt, nur einige Hofsoldaten - Haustruppen -, meist aber brachten sie ihr Kontingent erst für den Kriegsfall auf.
Reichskreis Schwaben - ©gemeinfrei Reichskreis Schwaben - ©gemeinfrei
Wohl konnten sich die Stände der Gestellung von Soldaten durch Geldablösung entziehen. Doch machte die Mehrzahl von dem Recht Gebrauch, ihre Soldaten in Person zu stellen. So z.B. stellte Pfullendorf
einen unberittenen Kürassier in ein katholisches Kreiskürassier-Regiment; Geroldseck vier Füsiliere in ein protestantisches Kreisinfanterie-Regiment! Erst bei drohender Kriegsgefahr zogen die Wehrkreise ihre Regimenter und Schwadronen zusammen. So kam von heut auf morgen in eine Front: der fürstliche Hofsoldat, der Reichsstädter, der Klosterknecht - und gar häufig der Armen- und Zuchthäusler! Zu einem Regiment vereint, Menschen von verschiedenster Herkunft, zum großen Teil ohne militärische Ausbildung, vielfach verschieden gekleidet - verschieden bewaffnet - oft ungleich besoldet und ohne jeglichen Korpsgeist. Auf dem Wege des Losens, der Werbung mit Handgeld oder gar häufig mit brutaler Gewalt zur Wehr gezwungen!
Innere Struktur
Uneinheitlich wie die Truppe, war auch die Zusammensetzung des Offizierkorps. Generale und Obersten bestimmten die Kreisauschreibenden Fürsten. Die Besetzung aller anderen Dienstgrade war das Recht der Stände, entsprechend der ihnen gemachten Auflagen. So wurde z.B. ein Hauptmann vom Magistrat einer Stadt ernannt, ein Leutnant von einem Prälaten. Dienstliche Eignung spielte nachgeordnete Bedeutung. Willkür war zumeist vorherrschend. Der Kommandeur musste sich abfinden mit den Offizieren, die ihm von den Ständen gestellt wurden. Sie entschieden in allen Fragen über ihre Offiziere, nicht aber über deren dienstliche Eignung. Begreiflich, wenn ein Kreisoberst bei der Übernahme eines solchen Regiments im Jahre 1795 zum Ausspruch gelangte: "Jetzt fehlen zur völligen Karikatur meines Regiments nur noch ein Dutzend Hanswürste!".

Auflösung
Zum letzten Mal kämpfte das Reichsheer mit Teilen während der Koalitionskriege der Jahre 1792-1801. Geschlossen trat nur noch der Schwäbische Kreis auf. Andere Kreise, soweit sie sich noch an der Wehr beteiligten, waren in Heere eingegliedert, die sich schon längst selbstständig außerhalb des Reichsverbandes gebildet hatten, wie z.B. im Preußen und Österreich usw.
 
Mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Jahre 1806 erlosch auch sein schwaches Heer!

Auszug aus "Führer durch das Historische Museum Schloss Rastatt"
In dankbarer Erinnerung an Erich Blankenhorn (+)

Weitere Info:
Das Reich in der Frühen Neuzeit, Neuhaus Helmut - ISBN 3-486-56729-2
Interner Link: Fürstenberg und der Reichskreis Schwaben
Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden und die Reichstruppen
Pfälzischer Krieg (1688-1697), Spanischer Erbfolgekrieg (1701–1714)
Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden (1655-1707), genannt der Türkenlouis. Generalleutnant aller kaiserlichen Truppen, siegreicher Feldherr in den Türkenkriegen, Kreisgeneralfeldmarschall des Schwäbischen Reichskreises, Reichsgeneralfeldmarschall des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Gemälde: von 1705, HGM Wien - ©gemeinfrei Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden (1655-1707), genannt der Türkenlouis. Generalleutnant aller kaiserlichen Truppen, siegreicher Feldherr in den Türkenkriegen, Kreisgeneralfeldmarschall des Schwäbischen Reichskreises, Reichsgeneralfeldmarschall des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Gemälde: von 1705, HGM Wien - ©gemeinfrei
Die Not der Soldaten
Der durchaus verheerende Zustand der kaiserlichen Truppen zu Beginn des Spanischen Erbfolgekrieges beschrieb Markgraf Ludwig Wilhelm v. Baden-Baden sehr treffend [1]. Sein Schreiben an den Kaiser sprach hier Bände und zeichnete ein düsteres Bild: "Die Regimenter Ew. Majestät sind mit Kleidung und den übrigen Dingen so schlecht versehen, abgerissen und kraftlos, dass sie bei jedermann Mitleid erregen. Ich erinnere mich nicht, jemals etwas Elenderes gesehen zu haben, und mich überkommt die Scham bei ihrem Anblicke. Ich weiß sehr wohl, dass man den Soldaten nach seiner Gesinnung und Tapferkeit beurteilen muss, nicht wie die Weiber nach dem Putze, auch vergesse ich nicht, dass diese zerlumpten Mannschaften der Kern unseres Heeres sind und in vielen Dingen andere, wohlausgestattete übertreffen. Aber schließlich muss doch eine solche Armut auch die Brävsten zu Verbrechen, zu Desertion und Rebellion verleiten. Wenn Ew. Majestät mit eigenen Augen ein solches Elend sehen würden, dann würde von selbst bald denen alle Hilfe erfolgen, welche vor allen andern den Ruhm dem deutschen Heere erworben haben, der uns über alle Völker des Erdkreises erhebt, und welche auf ihren Schultern den Thron Ew. Kaiserlichen Majestät tragen. Jetzt sind aber diese selben, welche wie die Bettler, der eine ohne Kleid, der andere ohne Schuhe einhergehen, der Gegenstand des Gespöttes und die Zielscheibe der Witze. Wenn man jetzt einen abgerissenen Menschen, wo das Brot so billig ist, um ein Stücklein Brot betteln sieht, so sagt man, das ist ein kaiserlicher Soldat. Ein besseres Merkzeichen hat für sie das Volk nicht. Dieses alles überschreibe ich Ew. Majestät so offenherzig und ohne Umschweife." [Winterer]. Die Reichstruppen schlugen sich dann besser, wie es ihr desolater Zustand zuvor vermuten ließ...
 
Biographie: siehe Personalia
[1] Wir führen die korrekte Bezeichnung der katholischen Linie "Baden-Baden" auf!
Defensionswerke im südlichen Schwarzwald
Vorläufer und Ausbau
Schanzen spart Blut
Die immer wieder in der Diskussion stehenden Defensionswerke in Süddeutschland zu dieser Zeit - namentlich die Schwarzwaldlinie - wurden bereits früh einer lokalgeschichtlichen Behandlung zugeführt. Originär führte dieses Befestigungswerk vom befestigten Städtchen Säckingen den Schwarzwald hinauf in Richtung St. Blasien im Albtal und den Feldberg auf die Höhe zwischen dem Höllen- und Simonswäldertal, den Hohlen Graben, Hornberg, Hirschlache im Prechtal, Gutach, Hausach, St. Roman zwischen Kinzig- und Schapbachtal, südlich der Kniebisstraße nach Freudenstadt, um über Schramberg, Dorf Dobel bei Neuenburg einen Endpunkt zu finden. Diese Verteidigungslinie wurde in drei Abschnitte gegliedert: die "obere", von Säckingen bis zum Feldberg, die "mittlere" vom Feldberg bis Dorf Dobel, und die "untere", von Dobel bis Neuenburg. Zeitweise wurde die Schwarzwaldlinie von einem robusten Bedeckungskorps gesichert (Hohlen Graben, 1679 u. 1713 - jeweils 4.000 Soldaten in verschanzter Stellung, ergänzend Landesauszug/Landsturm).
 
Die Schwarzwaldlinie folgte ursprünglich einer schon früheren Schanzen- und Blockhauskette [1], deren Verlauf ein im GLA in Karlsruhe archiviertes Dokument von 1689 wie folgt beschreibt (Originalschreibweise): "Rheinfelden, Boith, Rothe-Haus, Rieckenbach mit seinen Pässen, Grentzlach in der oberen Markgrafschaft, Zell im Wiesenthall, Schönau, Ortnau, Muckenbronn, über den Feldberg, Cappel, Alpirsbach, Staig, Breitnau, Fahrenberg, Hohlen Graben, Fortwangen (Furtwangen), Triberg sambt seinen Thälern, Föhrenbach (Vöhrenbach), Hornberg, Hausen mit seiner Schanz im Kinzigtal, Haßlach, Freudenstadt, Neuenburg bei Pforzheim. Erweiterte Postierungskette über Durlach bis Heydelberg." [2] Diese wiederum fand ihre Anfänge zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges - Kaiser Ferdinand II. v. Habsburg befahl am 20. März 1620 die Errichtung von Schanzen im Hochschwarzwaldgebiet am Hohlen Graben, um die von Freiburg über Neustadt nach Donaueschingen führende Gebirgsstraße am Eingang zur Hochebene zu sperren [3]. Im Oktober 1638 kam es dort dann erstmals zu einem schweren Gefecht, ein von Herzog Bernhard v. Weimar nach St. Peter entsandtes Detachement weimarischer Truppen überwand im Kampf den Hohlen Graben und warf einen kaiserlichen Verstärkungstransport für das belagerte Alt-Breisach zurück. Die hart umkämpfte kaiserliche Festung kapitulierte dann kurz darauf, von den ehemals 4.000 Einwohnern überlebten nur 150 die Belagerung. Am 10. August 1644 bildete dann die Nachhut der nach Villingen abrückenden kaiserlich-kurbayerischen Armee unter Generalfeldmarschall Freiherr v. Mercy am Hohlen Graben noch eine Riegelstellung gegen die bei St. Peter stehenden Franzosen, die Schlacht bei Freiburg fand dort ihr Ende. 1688 nahmen die Franzosen den Hohlen Graben ein und überfielen das fürstenbergische Amt Neustadt, 1689 unternahmen diese erneut einen Vorstoß mit gleicher Zielrichtung, der nun aber von Reichstruppen abgewehrt wurde. 1691 verteidigte der Landesauszug (Landfahnen, Landsturm) den Hohlen Graben [4], 1693 marschierte dann ein französisches Heer auf den Schwarzwald zu [5]. Den Franzosen gelang es aber nicht mehr den Hohlen Graben zu überschreiten. 1701 begann dann der Spanische Erbfolgekrieg, der in seinen Ausmaßen durchaus als Weltkrieg bezeichnet werden kann.
 
Mit der 1693 erfolgten Übernahme des Oberbefehls über die kaiserliche Armee am Oberrhein und der Kreistruppen der assoziierten Reichskreise Franken und Schwaben, betrat der kaiserliche Generalleutnant Markgraf Ludwig Wilhelm v. Baden-Baden dann das Kriegstheater gegen Frankreich. Die beiden beteiligten Reichskreise rüsteten hierzu schon im Vorfeld zunächst auf 19.000, dann auf 24.000 Mann auf (ab 1691). Mit dem am 11. Mai 1694 gefassten Beschluss des schwäbischen Kreistages zur "Beibehaltung eines militis perpetui zu allen Kriegs- und Friedenszeiten", stellte sich der Schwäbische Reichskreis an die Spitze einer Reichsreform, die mit der Sicherung im engeren Bereich, den Kreisen zu beginnen hatte. Mit der zusätzlichen Festlegung, dass dieses Grundgesetz des Kreises nur einstimmig wieder aufgehoben werden durfte, zementierte die Kreisversammlung den Willen und die Bereitschaft zur eigenen Verteidigung (min. 8.000 Mann). Mit Hilfe dieses stehenden Heeres sollten auch die gewaltsamen Durchmärsche verhindert, die Sicherheitsgarantie bei sich selbst gesucht werden. Der Schwäbische Reichskreis war dann der letzte der zehn Kreise, der sich noch selbstständig armierte und eigene Truppen ins Feld stellte. [Storm]
[1] Ein hinter oder innerhalb einer Schanze liegendes Blockhaus konnte eine Besatzung von 20-40 Mann aufnehmen und wurde bei Bedarf als letztes Verteidigungswerk genutzt. Das Blockhaus sollte noch 1794: "im Lichten 24 Fuß in der Länge, 10 in der Breite und 10 in der Höhe haben, die Wände von Schrenkbalken aufgeführt und oben mit Dekbalken belegt werden." Im Innern war eine einfache Herdstelle und ein guter Kachelofen vorgesehen. Abweichend hiervon existierte auch noch die "Chartaque", ein turmartiges Wehrgebäude mit massivem Fundament, Schießscharten und Ziegeldach. Die Besatzungen versorgten sich i.d.R. aus der umliegenden Gegend (Kontribution, Naturalien). [Straßburger, S. 128 ff.]
[2] Die "Neue Schanzen-Ordnung" vom 4. April 1682 lieferte hier die technische Grundlage für die Defensionswerke, auf Grund des Holzmangels wurden einzelne Passschanzen durch 3 bis 6 Meter hohe wie breite Wälle, metertiefe Gräben, Baumverhaue und Blockhäuser miteinander verbunden, um ein Umgehen zu verhindern oder zu erschweren. Die robusten Schanzen und Redouten dienten dann als Rückhalt der Linie.
[3] Auf dem Schwabenstutz bei Waldau liegt eine etwas abgesetzte quadratische Redoute mit vier Eck-Bastionen, die bereits aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges datieren dürfte. Die damalige Bautätigkeit umfasste die Befestigung der Pässe, wie z.B. Kniebis, Hohlen Graben und zwei Sperren im Kinzigtal. Die besagte Redoute grenzt mit einer Bastion direkt an die heutige Bundesstraße 500 an.
[4] Zur Unterstützung der ordentlichen Kreisstreitkräfte in casu extremae necessitatis wurde der Landausschuß von Kreises wegen organisiert und mehrfach meist in Stärke von 6.000 Mann aufgeboten, um die Verteidigungslinien herzustellen und zu besetzen. So geschehen 1690, 1693, 1694, 1696 und 1697. Im August 1693 erließ der Kreis zudem einen allgemeinen "Land-Aufbott und General-Land-Sturm" im Kreise.
[5] Unter dem Befehlshaber Graf Karl Egon v. Fürstenberg-Meßkirch wurde bis 1693 der Kniebis (1674/75) sowie weitere Anlagen wie z.B. am Hohlen Graben, der Bau der Vorderen Linie und die Eppinger Linie nach der neuen Schanzen-Ordnung von 1682 modifiziert, verstärkt oder neu erstellt. Beteiligte Ingenieure: zuvor Elias Gumpp (1671), dann Georg Ludwig Stebenhaber. 1693 übernahm Markgraf Ludwig Wilhelm v. Baden-Baden das Kommando am Oberrhein, diesem wiederum folgte dann Prinz Eugen v. Savoyen. [Diverse Quellen]
[Straßburger] verweist darauf, dass die um 1700 errichtete Schanze bei Rothaus eine Analogie zu den Gumppschen Gebirgsbefestigungen in Tirol aufweist, er vergleicht diese mit der dortigen Lechschanze und dem Roßschläg. Die beiden Brüder Gumpp haben hier umfassende Befestigungswerke in Tirol errichtet, diese folgten der Linie des Trienter Militäringenieurs Pankraz Gallas, der mit seiner aufgeführten Schanze mit symmetrischen Bastionen vor Kufstein bereits dem neuitalienischen Festungsbau folgte. 1671 besichtigte der schon im fortgeschrittenen Alter stehende Elias Gumpp - seines Zeichens Röm. Kaiserl. Majestät Ingenieur, zusammen mit dem Freiburger Stadtkommandanten Georg Schütz, die Schwarzwaldpässe und deren Eigenheiten. Der Neubau einer Erdschanze am Hohlen Graben wurde hier zum Beispiel erörtert. Ein Neffe von Elias Gumpp, Johann Baptist, wirkte als Zivil- und Kriegsbaumeister am bayerischen Hof unter Kurfürst Max Emanuel II. v. Bayern. Später war er kaiserlicher Rat und Oberingenieur der Festung Konstanz (ab 1692) und zeitweise zum Linienbau abgeordnet. Seit Dezember 1693 besetzte dann Graf Karl Egon v. Fürstenberg-Meßkirch die Stadthauptmannschaft und Kommandantenstelle zu Konstanz. Der fürstenbergische Graf war ein exzellenter Kenner der Verteidigungslinien am Oberrhein und im Schwarzwald, ein dienstlicher Kontakt zu J. B. Gumpp lässt sich nicht ausschließen. Die Familie des Elias Gumpp hat in der Raumschaft Baar deutliche Spuren hinterlassen, in der Stadt Bräunlingen können noch Zeugnisse zur Gumppschen Familiengeschichte besichtigt werden (Epitaph von Elias Gumpp (1609-1676), Pfarrkirche St. Remigius, u.a.). Siehe auch nachfolgend: Kriegsprotokoll des Johann Konrad Gumpp, S. 3 ff. - [Interner Link: Christoph und Elias Gumpp].
Nachtrag: Graf Karl Egon v. Fürstenberg-Meßkirch
 
Drangsal der Bevölkerung

Die Verteidigung der Schwarzwaldlinie sollte auch durch einen Landesauszug, den sogenannten Landfahnen - auch "Regulierung des Landsturmbs", eine Verstärkung finden (insgesamt 11.016 Mann, von 1702-1705). Hierzu mussten zahlreiche Städte, Ämter und Dörfer Mannschaften abstellen, bzw. vorhalten. Zumeist wurde hier aber nur der Schanzenbau vorangetrieben, die Landgrafschaft Baar stellte zum Beispiel 944 Mann. An Arbeit dürfte es nicht gefehlt haben, die hölzernen Befestigungswerke mussten wegen Fäulnis ständig erneuert werden. Ein lokal auftretender Holzmangel im Schwarzwald (!) erschwerte dann zusätzlich die Arbeiten, 1703 mussten schon 5.000 Arbeiter als notwendiger Bedarf für die Instandsetzung vorgesehen werden, noch im April 1734 schanzten täglich 345 Arbeiter am Hohlen Graben. Für die Bevölkerung entwickelten sich die jahrzehntelangen Schanzarbeiten zu einer bedrückenden Last und waren mit Mühsal verbunden.

Im Verlauf des Spanischen Erbfolgekrieges wurden wie schon erwähnt je nach Kriegslage umfassende Erneuerungs- und Verstärkungsmaßnahmen an der Schwarzwaldlinie eingeleitet, Prinz Eugen v. Savoyen besichtigte am 11./12. Oktober 1713 noch das Gelände am Hohlen Graben und vergewisserte sich dessen strategisch wichtiger Position. 1734 beschäftigte sich dann eine einberufene Konferenz zu Wolfach mit diesem Befestigungswerk und dessen Sinnhaftigkeit. Von militärischem Wert waren letztlich nur noch die Stellungen auf den Passhöhen, wie beispielhaft beim Hohlen Graben bei St. Märgen zur Zeit der Koalitionskriege. Im Oktober 1796 kam es dort noch zu einem Gefecht zwischen den Franzosen unter General Ferino und siegreichen Truppen unter dem Befehl von Erzherzog Karl v. Österreich.
Weitere Info:
WEB: Winterer, Wilhelm: Die Entstehung und Bewertung der Schanzen und Linien auf dem südlichen Schwarzwald unter besonderer Berücksichtigung des Hohlen Grabens. [1] S. 20 ff. Anm. 4. Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den Angrenzenden Landschaften (Hrsg.) - 31.1916.
WEB: Straßburger, Martin: Aus Erde aufgeworfene Zeugen einer Überlebensstrategie – Archäologie der barockzeitlichen Defensionslinien im Schwarzwald. Jahresheft des Breisgau-Geschichtsvereins Schauinsland 128.2009 [Pdf, 4,5 MB]
WEB: Barocke Schanzen im Schwarzwald - Die Verteidigungsanlagen auf den Schwarzwaldhöhen - A. Haasis-Berner, J. Lauber, U. Seidel - 2010 [Pdf, 315 KB]
WEB: Stadtarchiv Bräunlingen Convolut I/1 - Kriegsprotokoll des Johann Konrad Gumpp 1688 bis 1702Stadtarchiv Villingen-Schwenningen, digitale Veröffentlichungen [Pdf, 560 KB]
WEB: Archäologie auf dem Holzweg - Literaturüberblick zu hölzernen Befestigungen in der Neuzeit in Bild und Befund, Olaf Wagener (Univ. Heidelberg) - [Pdf, 2,5 MB]
WEB: [Habsburger-Net: Habsburg gegen den Sonnenkönig 1667-1697]
WEB: [Habsburger-Net: Spanischer Erbfolgekrieg (1701-1714)]
Verweis: Unter dem Greifen, WGM-Rastatt, S. 3 ff.
 
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Interner Link: LiDAR - Light detection and ranging Technologie
 
Fachliteratur:
Stein, Günter: Festungen und befestigte Linien des 17. und 18. Jahrhunderts am Oberrhein; in: Press, Volker/Reinhard, Eugen/Schwarzmaier, Hansmartin (Hrsg.): Barock am Oberrhein (Oberrheinische
Studien 6). Karlsruhe 1985, 55–106.
Störk, Werner: Der Türkenlouis und seine Schanzen. Verteidigungstechnik im Südschwarzwald; in: Festungsjournal 30, 2007, 20–21.
Störk, Werner: Fortifikation im Barock – Die Schanzlinien des Türkenlouis im Südschwarzwald; in: Festungsjournal 36, 2010, 22–23.
Straßburger, Martin: Im Schatten von Sonne und Doppeladler. Die Verteidigung der Vorderen Reichskreise im 17. und 18. Jahrhundert; in: Alemannisches Jahrbuch 2005/2006, 47–161.
Freiburg im Breisgau
Bollwerk am Aufstieg zum Schwarzwald
Freiburger Linien
Die von 1707 bis 1710 erbauten Freiburger Linien standen hier etwas abseits und können als fortifikatorische Erweiterungen der Festung Freiburg angesprochen werden. Mit dem Befestigungswerk des Markgrafen Ludwig Wilhelm v. Baden-Baden auf den Schwarzwaldhöhen (Gesamtwerk über 160 km Länge), können diese nur schwerlich in Verbindung gebracht werden. [Winterer]
 
Nachtrag: [Straßburger] weist diese dem Markgrafen Ludwig Wilhelm v. Baden-Baden zu, der allerdings schon am 4.1.1707 in Rastatt verstorben war.

Festung Freiburg
Freiburg war die befestigte Hauptstadt des Breisgaus und von strategischer Bedeutung für die Verteidigung des Aufstiegs auf den Schwarzwald. Die gewaltige Festungsanlage wurde vom französischen Baumeister Sébastian Le Preste, Seigneur de Vauban, nach modernsten Grundsätzen der damaligen Befestigungstechnik entworfen, nachdem die Stadt 1677 von den Franzosen eingenommen wurde. Der Überlieferung nach wurden die aus dem Dreißigjährigen Krieg noch vorhandenen äußeren Befestigungen geschliffen und vollständig neu angelegt. Ein 25 m breiter Wassergraben verstärkte hier dann zusätzlich die Schanzen der Stadt, die massiven Befestigungswerke in erhöhter Position auf dem Schloss- und Hirzberg bildeten ein robustes Bollwerk gegen jeden Angreifer.
Festung Freiburg im Breisgau - Landesarchiv Baden-Württemberg - Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe J-B Freiburg 15 Bild 1 - Permalink: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1471343-1 ; http://www.landesarchiv-bw.de/nutzungsbedingungen
Festung Freiburg im Breisgau - Landesarchiv Baden-Württemberg
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Die Festung Neuf-Brisach – eines der Meisterwerke Vaubans und Gegenfestung zur deutschen Reichsfestung Alt-Breisach. ©gemeinfrei Die Festung Neuf-Brisach – eines der Meisterwerke Vaubans und Gegenfestung zur deutschen Reichsfestung Alt-Breisach. ©gemeinfrei
Interimslösung auf dem Schwarzwald
Nach dem Verlust von Freiburg konzentrierten sich die österreichischen Verteidigungsmaßnahmen bei Villingen auf dem Schwarzwald, die dortige Stadt wurde nun stärker befestigt [1]. Der Frieden von Rijswijk 1697 bereinigte dann wieder die Machtverhältnisse im Breisgau, die Franzosen mussten das neu befestigte Freiburg und Alt-Breisach räumen, behielten aber die Freigrafschaft Burgund, Lille und die im Elsass annektierten Gebiete einschließlich der freien Reichsstadt Straßburg. Als Gegengewicht zur Reichsfestung Alt-Breisach errichtete Frankreich dann die Planfestung Neuf-Brisach (1699-1703), wiederum wurde Vauban mit der baulichen Ausführung beauftragt und schuf dort ein Meisterwerk der barocken Befestigungskunst nach dem sogenannten bastionierten System. Die Festung Neuf-Brisach widerstand 1743 einem Angriff österreichischer Truppen, danach fiel diese in ein lange Friedensperiode. Letztlich spielte die mächtige Grenzfestung keine Rolle mehr, sie verschwand aus der militärischen Wahrnehmung.
[1] Verweis: Zur Befestigung und Verteidigung der Stadt Villingen im Dreißigjährigen Krieg und im Spanischen Erbfolgekrieg siehe: Paul Revellio - Beiträge zur Geschichte der Stadt Villingen, Hrsg.: Stadt Villingen. Darunter auch der Plan von Johann Baptist Gumpp von 1692 mit Stadtansichten. Die dortige Fülle von Informationen ist sehr umfangreich und behandelt auch eingehend das Kriegstreiben in der näheren Raumschaft, beginnend vom Bauernkrieg bis zur Badischen Revolution (betrifft teilweise auch das benachbarte Amt Vöhrenbach, Landesherrschaft Fürstenberg). Siehe auch: Geschichts- und Heimatverein Villingen (Webseite)
©tz, thz-historia.de
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